25.06.2018 · 19:34

Gebaute Vision – Abstrakte und konkrete Kunst aus Lateinamerika
Die Sammlung Ella Fontanals–Cisneros

Nachdem Haus Konstruktiv 2008 die aussergewöhnliche Privatsammlung von Adolpho Leirner zur Entwicklung der brasilianischen konkreten und konstruktiven Kunst gezeigt hat, steht nun ganz Lateinamerika im Fokus: Die Sammlung Ella Fontanals-Cisneros gehört international zu den bedeutendsten und facettenreichsten Sammlungen lateinamerikanischer Kunst und vermittelt lebendig die Entwicklungslinien der abstrakt-geometrischen Kunst – insbesondere in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Venezuela. Mit einer Auswahl von rund 200 Werken stellt Haus Konstruktiv diese hochkarätige Sammlung zum ersten Mal in der Schweiz vor. Die Sammlung Ella Fontanals-Cisneros wurde von der Cisneros Fontanals Art Foundation, Miami, zusammengestellt. Kuratiert von Juan Ledezma und realisiert im Haus Konstruktiv in Zusammenarbeit mit Dorothea Strauss.

Sammlung Ella Fontanals-Cisneros, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger
Sammlung Ella Fontanals-Cisneros, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger

Die Abstraktion als eine Richtung moderner Kunst erreichte Lateinamerika 1934, als Joaquín Torres-García aus Europa nach Uruguay zurückkehrte und dort La Escuela del Sur (Die Schule des Südens) gründete. Doch erst mit der voranschreitenden Modernisierung Lateinamerikas in den 1940er und 1950er Jahren konnte die geometrische Abstraktion in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Uruguay und Venezuela, um nur die wichtigsten zu nennen, weiträumig Fuss fassen. – Eine Reihe moderner Kunstbewegungen entstand. Bis dahin definierte sich die kulturelle Identität der Region in erster Linie über eine figurativ-realistische Bildsprache, deren Themen an entscheidende historische Ereignisse erinnerten. So fiel der abstrakten Kunst die doppelte Aufgabe zu, die aufkeimende Modernisierung und Urbanisierung Lateinamerikas zu reflektieren und gleichzeitig alternative Formen des kulturellen Zusammenhalts zu bieten. Die konkret arbeitenden Künstler stellten sich dieser Herausforderung. Sie schufen künstlerische Strukturen, die eine breite Öffentlichkeit erreichen und somit einen prägenden Einfluss auf die kollektiven Sehgewohnheiten ausüben konnten. Sie sahen die Stadt als einen Ort neuer Formen visueller Erfahrung und als einen Schmelztiegel, aus dem die moderne lateinamerikanische Identität hervorgehen sollte.
Die Ausstellung zeigt, wie die geometrische Abstraktion in Malerei und Skulptur an Bedeutung gewann. Dabei
veranschaulicht sie auch die bahnbrechende Rolle der abstrakten Fotografie, die visuelle Analogien zum Urbanisierungsprozess der Region entwickelte. Sie unterstützte die geometrisch-abstrakte Kunst in ihrem Anliegen, den öffentlichen Raum mit neuen gesellschaftlichen Funktionen zu besetzen.



Museum Haus Konstruktiv · Selnaustrasse 25 · 8001 Zürich · +41 (0)44 217 70 80 · info@hauskonstruktiv.ch
© 2018 Museum Haus Konstruktiv. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
25.06.2018
19:30 Uhr MESZ