25.06.2018 · 19:36

Joseph Kosuth
'Texts for Nothing (Waiting for–)' Samuel Beckett, in play

Joseph Kosuth, geboren 1945 in Toledo (Ohio), ist eine Ikone der US-amerikanischen Konzeptkunst. Wie kaum ein anderer Künstler geht er mit Sprache und Sprachbildern um: Seine seit Mitte der 1960er Jahre entwickelten Arbeiten verführen uns dazu, mehr zu sehen, mehr zu denken, mehr zu fantasieren.

Die umfangreiche Einzelausstellung von Joseph Kosuth geht im wichtigen Jubiläumsjahr des Zürcher Museums Haus Konstruktiv – vor 25 Jahren wurde die Trägerstiftung des Museums gegründet – auf den dritten Stiftungszweck ein: die Vermittlung der Konzeptkunst. Denn gerade sie schafft die Verbindung zwischen den traditionellen Themen der konkreten Kunst und den Reaktionen, die sie bei einer jungen Generation Kunstschaffender hervorruft. 

Joseph Kosuth, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger
Joseph Kosuth, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger

In seiner neusten Neoninstallation «Texts for Nothing (Waiting for –)’», mit der er seine Ausstellung im Haus Konstruktiv in der grossen Eingangshalle startet, bezieht sich Joseph Kosuth auf den irischen Schriftsteller Samuel Beckett: In weisser Neonschrift leuchten den BetrachterInnen im vollständig dunklen Raum Zitate aus dem Theaterstück Warten auf Godot und aus der Prosaschrift Texte um Nichts entgegen. Während Beckett jedoch oft das Nichtdeutbare thematisiert, versucht Kosuth umgekehrt, die Entstehung von Bedeutung zu visualisieren. In diesem dunklen Raum ist zudem auch ein Leuchtkasten zu sehen mit einer s/w Abbildung des Gemäldes Zwei Männer in Betrachtung des Mondes von Caspar David Friedrich: Dieses Bild soll Beckett massgeblich für sein Stück Warten auf Godot inspiriert haben.

 

Ebenfalls für die Ausstellung in Zürich neu realisiert wurde eine Arbeit aus der Werkserie «Text/Context». Kosuth bezieht sich darin auf die Sprache der Werbung. Zum ersten Mal schrieb er dafür damals einen eigenen Text. Die selbst verfasste Textpassage (in drei Sprachen übersetzt) soll in zwei unterschiedlichen öffentlichen Kontexten gelesen werde: auf der Strasse und im Kunst-Kontext. Auf der Strasse werden die Texte zunächst anonym im Kontext von Werbung präsentiert: In Zürich auf öffentlichen APG-Stellen in Wallisellen und im Bahnhof Stadelhofen. Das selbe Plakat, das auf den Werbetafeln steht, wird wiederum im Haus Konstruktiv im Rahmen der Ausstellung präsentiert, im Kontext wiederum von anderen Aussenansichten.

 

Seit der documenta IX im Jahr 1992 – also seit fast 20 Jahren – ist auch die Installation «Passagen-Werk (damals in der Neuen Galerie präsentiert) zum ersten Mal wieder zu sehen. Kosuth hatte im Hinblick auf seine Präsentation an der documenta Zitate ausgewählt, die ihm beim Nachdenken über die Ausstellung als Ganzes relevant erschienen. Diese wurden im Siebdruckverfahren auf schwarze Tücher gedruckt und sollten die Kunsttouristen, die in ihrer Rolle als «Flaneure» durch die documenta strömten, zum Anhalten und Nachdenken bringen. Wie damals in Kassel sind auch in Zürich die Tücher über Werke aus der hauseigenen Sammlung des Museums gehängt.

Trailer zur Ausstellung >>>



Museum Haus Konstruktiv · Selnaustrasse 25 · 8001 Zürich · +41 (0)44 217 70 80 · info@hauskonstruktiv.ch
© 2018 Museum Haus Konstruktiv. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
25.06.2018
19:30 Uhr MESZ