17.08.2018 · 09:38

Zurich Art Prize 2011
Mai-Thu Perret

Die Künstlerin Mai-Thu Perret (geb. 1976 in Genf, lebt in Genf) fügt sich hervorragend in die Reihe der bisherigen Preisträger ein: Ihr Interesse gilt den kultur- und kunsthistorischen Avantgardebewe-gungen des 20. Jahrhunderts, insbesondere dann, wenn sie für Emanzipation und Fortschritts-glauben stehen.

Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger
Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger

Mai-Thu Perret, die im Schweizer und im internationalen Kunstgeschehen derzeit grosse Aufmerksamkeit gniesst, realisiert für ihre Einzelausstellung im Haus Konstruktiv neue Arbeiten, in denen sie inhaltlich an die amerikanische Comic-Serie «Krazy Kat» anknüpft.
Der Comic-Strip «Krazy Kat» wurde von 1913 bis zum Tod des Autors George Herriman 1944 regelmässig in amerikanischen Zeitungen publiziert. Die Handlung kreist um die naive und geschlechtslos wirkende Katze Krazy, den zynischen Mäuserich Ignatz und einen in Krazy verliebten Polizeihund. In «Krazy Kat» geht es in erster Linie um Repetition, um unendliche Variationen innerhalb einer sich wiederholenden Geschichte, die im imaginären Ort Coconino County spielt. In diesem surrealen Universum geraten die Dinge, die Geschlechterrollen, Tier und Mensch, Handlungen und Gefühle immer wieder durcheinander und entfalten ein subversives Spiel zwischen Sinn, Unsinn und Poesie.
In der Ausstellungshalle im Erdgeschoss zeigt Perret eine grosse Installation, die der Ausstellung auch den Titel gegeben hat: Felsenartige Objekte, die sich auf einem Gleis langsam durch den Raum bewegen. Den Titel hat Perret einem Gedicht des amerikanischen Poeten Ted Berrigan entnommen:  I dream of the code of the west – und ja, tatsächlich, in den Arbeiten von Mai-Thu Perret geht es immer wieder um verschiedene Codes, unterschiedliche Perspektiven auf eine Geschichte, verschiedene Zugangmöglich-keiten. In dem Comic-Strip «Krazy Kat» werden leblose Requisiten wie z.B. Gesteinsbrocken zu lebendigen Kreaturen, während lebendige Figuren zur Kulisse erstarren.
Genau diesen Aspekt greift Perret in ihrer raumfüllenden Installation auf, indem sie die Halle in eine stark schematisierte Felslandschaft verwandelt: Die Besucher begegnen fünf grossen, felsenartigen Objekten, die ellipsenförmig im blau und braun bemalten Raum verteilt sind. Erst bei längerem Verweilen stellt sich beim Betrachter ein Irritationsmoment ein: Denn die aus Polyurethanschaum hergestellten Objekte stehen nicht still, sondern bewegen sich ganz langsam vorwärts und erinnern so an die zum Leben erweckten Felsbrocken in «Krazy Kat». In Umkehrung dazu unterbricht der Besucher für einen kurzen Moment seinen Rundgang und wird so zum innehaltenden Statisten.
Die Werke von Mai-Thu Perret zeigen aufs Vortrefflichste, wie eine jüngere Künstlergeneration die inhaltlichen Errungenschaften der Avantgarde und der konstruktivistisch-konzeptuell geprägten Haltungen in die Gegenwartwart weiterdenkt.



Museum Haus Konstruktiv · Selnaustrasse 25 · 8001 Zürich · +41 (0)44 217 70 80 · info@hauskonstruktiv.ch
© 2018 Museum Haus Konstruktiv. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
17.08.2018
09:30 Uhr MESZ