17.08.2018 · 09:37

Andreas Fogarasi
Vasarely Go Home

Eine Kooperation mit der GfZK, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, kuratiert von Sabine Schaschl

Parallel zu «Victor Vasarely – Die Wiederentdeckung des Malers» zeigt das Museum Haus Konstruktiv die Ausstellung «Vasarely Go Home», in der sich der österreichische Künstler Andreas Fogarasi (1977 geb. in Wien und dort ansässig) mit Victor Vasarelys Œuvre, dessen Rezeption und Vereinnahmung durch die ungarische Kulturpolitik der späten 1960er Jahre auseinandersetzt.

Vasarely - Go-Home, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2014, Foto: Stefan Altenburger
Vasarely - Go-Home, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2014, Foto: Stefan Altenburger

Am 18. Oktober 1969 eröffnete die Kunsthalle Budapest (Mücsarnok) eine umfassende Retrospektive des international renommierten Op Art-Künstlers Victor Vasarely. Für ihn war es die bis dahin umfangreichste Ausstellung seiner Werke überhaupt. Zum ersten Mal wurde in Ungarn abstrakte Kunst, im Ostblock sonst argwöhnisch als eine Manifestation des kulturellen Imperialismus des Westens betrachtet, in einer öffentlichen Einrichtung gezeigt. Die ungarische Kulturpolitik suchte zu jener Zeit aktiv den Kontakt zu Künstlern, die im Ausland lebten und dort Berühmtheit erlangt hatten. Während die konzeptuell und abstrakt arbeitende Neoavantgarde im eigenen Land bestenfalls toleriert war, wurde Vasarelys Ausstellung mit über 70.000 Besuchern zu einem ausserordentlichen Publikumserfolg, den die lokale Kunstszene mit grossen Erwartungen, aber auch mit Skepsis begleitete.
Während der Vernissage zur Vasarely-Ausstellung vollzog der ungarische Künstler János Major eine diskrete Ein-Personen-Demonstration: Sobald ein Bekannter oder Künstlerkollege vorbeikam zog er ein Schild mit der Aufschrift «Vasarely go home» aus seiner Tasche. Mit dieser Aktion wollte Major auf die Widersprüchlichkeit der Situation aufmerksam machen und den Protest der im Land gebliebenen Kulturschaffenden zum Ausdruck bringen. Die Aktion selbst ist nicht dokumentiert. Fogarasi knüpft in seinem Ausstellungsprojekt an die Vorkommnisse vom 18. Oktober 1969 an. Das Video «Vasarely Go Home» zeigt Interviews mit Künstlern und weiteren Personen, die 1969 in die lokale Kunstszene Budapests involviert waren. Die Interviewten analysieren aus ihrer Perspektive den politisch-kulturellen Kontext dieser Zeit und kommentieren die besagte Aktion János Majors sowie auch Vasarelys Ausstellung und dessen Werke.
Neun zweiflüglige, frei im Ausstellungsraum stehende Stellwände aus Marmor ergänzen die Videoinstallation. Als Träger von Fotoaufnahmen und Filmstills sind sie zugleich Ausstellungsdisplay, skulpturales Objekt und architek-tonischer Raumteiler. Das auf fünf Marmorwände und an den Wänden des Ausstellungsraums montierte Bildmate-rial umfasst Schwarz-Weiss-Fotografien und farbige TV-Filmstills, in denen Impressionen der damaligen Vasarely-Vernissage in Budapest festgehalten sind. Die restlichen vier Marmorobjekte zählen zur Serie «Circles and Squares». Die aus den Marmortafeln gefrästen Formen repräsentieren die Logos von internationalen Kulturinstitutionen, die sich für die Förderung von Bildung und Kultur im Ausland einsetzen. Im Museum Haus Konstruktiv begegnet man u.a. dem Signet des Goethe-Instituts oder demjenigen des British Council, die beide aufgrund ihrer einfachen Zeichensprache heute weltweit bekannt sind. Mit den «Circles and Squares» verweist Fogarasi erneut auf Victor Vasarely, der sich anfangs der 1960er Jahre mit der Idee einer bildnerischen Universalsprache auseinandergesetzt hat. Unter dem Begriff «Planetarische Folklore» konzipierte Vasarely ein Farben- und Formenvokabular, das auf den geometrischen Grundformen Kreis und Quadrat basiert. Dabei verfolgte er das Ziel, Bildmotive zu entwickeln, die für jedermann lesbar wären.
Nachdem «Vasarely Go Home» in Einzelausstellungen im Museo Reina Sofia in Madrid, in der Trafó Galéria in Budapest und in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig zu sehen war, wird die Ausstellung des österrei-chischen Künstlers nun erstmals in der Schweiz präsentiert.

Trailer zur Ausstellung >>>



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17.08.2018
09:30 Uhr MESZ