22.05.2017 · 21:12

Etel Adnan
La joie de vivre

kuratiert von Sabine Schaschl

Etel Adnan hat mit ihren kleinformatigen Malereien, Tapisserien, Faltbüchern und Super-8-Filmen die Kunstwelt erobert. Bekannt wurde sie zunächst jedoch als Schriftstellerin, Dichterin und Kulturredakteurin. Zu ihren wichtigsten Publikationen zählen der Roman «Sitt Marie Rose» (1977), für den sie den «Prix de l’amitié franco-arabe» erhielt, der Gedichtband «Arabische Apokalypse» (1980) und das Künstlerbuch «Reise zum Mount Tamalpais» (1986). Ihre ersten Malereien entstanden Ende der 1950er Jahre in den USA, wo sie nach ihrem Philosophie-Studium (an der Sorbonne, in Berkeley und in Harvard) als Dozentin tätig war.

Etel Adnan - La joie de vivre, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2015, Foto: Stefan Altenburger
Etel Adnan - La joie de vivre, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2015, Foto: Stefan Altenburger

Adnans Malerei kennt keine Hierarchie zwischen Primär- und Mischfarben; ihr Kolorit ist reich und leuchtend. Die mit einem Spachtel aufgetragene Farbe fügt sich in klar konturierten Flächen zu beinahe architektonisch anmutenden Bildordnungen, die denen von Nicolas de Staël (1914–1955) formal verwandt sind. Zu ihrer Vorgehensweise erklärte die Künstlerin in einem Gespräch mit Sabine Schaschl: «Wenn ich eine Farbe auftrage, dann hat diese Farbe ihre eigene Intensität, doch sie hat auch eine Form. Sie muss eine Form haben. Man kommt nicht darum herum. Und das bedingt den nächsten Schritt. (…) Es geht darum, stets ein neues Gleichgewicht zwischen Farbe und Bedeutung herzustellen.» Etel Adnans Bilder entstehen in einem Malvorgang, ohne Unterbrechung und ohne nachträgliche Korrekturen. Das kleine Format ihrer Gemälde vergleicht die Künstlerin mit dem Schreiben von Gedichten: «Gedichte sind klein und kompakt. Und meine Leinwandbilder sind genauso. (…) Im Grunde genommen sind sie visuelle Gedichte.»
In ihren Faltbüchern, die Etel Adnan seit 1964 entwickelt, greifen Zeichnung, Dichtung und der Prozess des Schreibens selbst unmittelbar ineinander. Zusammengefaltet, sind diese Leporellos kleine, intime Bücher. In voller Länge ausgefaltet, werden sie zu Raumobjekten.
Die Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv gibt mit über 50 Malereien aus allen Schaffensperioden, mit ausgewählten Tapisserien, Paravents, Faltbüchern sowie einem Super-8-Film einen Überblick über die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen Etel Adnans. Die Künstlerin entschied sich für den Ausstellungstitel «La joie de vivre», die Freude am Leben, und betont damit den Statement-Charakter ihrer Kunst: als Entscheidung für das Leben an sich.
Die Publikation zur Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen.

Trailer zur Ausstellung >>>



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22.05.2017
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