21.08.2018 · 00:32

Datierung 2010
Installationsmasse Masse variabel
Technik/Material Installation, 23 Acrylglasstelen, davon zwei mit Gravur, Wagen aus Holz und Stahl, Spanngurt
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Inv.-Nr. SK10715
Natalia Stachon

Roamer

Natalia Stachon (1976, Katowice, PL) studierte in Hamburg und Zürich Visuelle Kommunikation, Kunst und Fotografie. Angeregt durch die amerikanische Minimal Art und deren Erneuerer, besonders Robert Morris, hat sie sich seither vor allem mit dem Verhältnis von Objekten zu Raum und Betrachter befasst. Der situativen Erscheinung der Dinge und dem Prozesshaften, das auch lange Zeithorizonte umspannt, begegnet sie mit Vorliebe in mehrteiligen Setzungen, in denen das Werk sich als zustandshafte Fügung aus der Fülle möglicher anderer Zustände präsentiert. Daneben bevorzugt sie in derselben kritischen Reserviertheit gegenüber dem Vollendeten und Absoluten das Arbeiten in Variationen oder Serien.
«Roamer» und «RAJ», Werke, die anlässlich von Natalia Stachons Einzelausstellung «Matter shifted» entstanden und in die Sammlung gelangt sind, zeigen dies beispielhaft. Überdies zeugen beide vom Interesse der Künstlerin an einem zwar schlicht geformten, ästhetisch aber edlen Material. «Roamer» besteht aus zwei ungleich grossen Gruppen transparenter Profile aus Plexiglas, die auf den Boden gestapelt (7 Exemplare) respektive auf einem Rollwagen festgezurrt (4 x 4 Exemplare) sind. Der Wagen, der speziell für den Transport fragiler Waren adaptiert worden ist und dessen sinnstiftender Gebrauch in einem zielgerichteten Hin und Her liegt, signalisiert Funktionalität. Gleichzeitig klingt jedoch im Werktitel die Vorstellung eines ungehinderten, mithin aber auch etwas ziellosen und verlorenen Umherschweifens an. Dieser poetische Gehalt findet sein Echo in einer Zeile des englischen Lyrikers Robert Graves, die in zwei der Profilleisten eingraviert ist: «In your sleepy eyes I read the journey of which disjointedly you tell». Sie schärft nochmals den Blick für die Konformität und Verbundstruktur der Dinge, aber auch für die Abstände zwischen ihnen, während sie zugleich den Fokus von den zwar gleichartigen, doch nicht identischen Teilen weglenkt und einen Assoziationsraum für unsere verborgenen Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen eröffnet.
Von Gleich- und Andersartigkeit sowie von Trennung spricht auch die Dreiergruppe papierdünn gewalzter, von der Künstlerin selbst von Hand polierter und anschliessend zerknüllter Kupferbleche mit dem Titel «RAJ», polnisch für Paradies. Sie entstammen einer Auflage von 30 Unikaten, die alle eigene Wege nehmen werden und in die sich, als Hauptthema der Arbeit, die Zeit auf verschiedenste Weise einschreiben wird.

Astrid Näff




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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21.08.2018
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