22.06.2018 · 21:00

Datierung 2012
Blattmasse 42 x 29.7 cm
Technik/Material Serigrafie auf Papier
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Inv.-Nr. SK12135
Jochem Hendricks

Ohne Titel

Jahresgabe der Stiftung für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst, 2012
Die Arbeiten und Langzeitprojekte des Konzeptkünstlers Jochem Hendricks (1959, Schlüchtern, DE) erscheinen mal nüchtern, mal verspielt bis spektakulär. Seine Ideen setzt er mit verschiedensten Methoden und in diversen Medien – Video, Fotografie, Objekt, Text – um. Er beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Mechanismen und Machtstrukturen, aber auch mit unserer Faszination für starke Geschichten: Zum Beispiel, wenn er uns einen mit klarer Flüssigkeit gefüllten Glaskolben präsentiert und ihn «100 Tränen» (1997) nennt, oder wenn er für das Werk «Cold Birds» (2002–2005) Vogelkadaver zu synthetischen Diamanten verdichten lässt. Ausgehend von unterschiedlichen Welt- und Lebensentwürfen entfacht er Fantasien und Sehnsüchte, triggert Erinnerungen und spielt mit dem Hintergrundwissen und der Wahrnehmung des Betrachtenden. Um herauszufinden, «wie Informationen in unseren Kopf kommen und was sie mit uns machen», hat Hendricks die «Augenzeichnungen» entwickelt, von denen sich eine in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv befindet. Entstanden sind diese in den frühen 1990er-Jahren begonnenen Zeichnungen ohne jegliche Intervention der Hände – als direkte Transkriptionen des Sehprozesses auf Papier. Hendricks machte sich dafür eine Kombination aus Infrarot-, Video,- und Computertechnik, eine sogenannte Eyetracking-Brille, zunutze, die die Bewegungen der Augen aufzeichnet und digitalisiert. Als Tuscheplot ausgedruckt, sind alle diese Zeichnungen Unikate, die als meist wirre Liniengeflechte daherkommen und scheinbar unbewusste, nicht steuerbare Bewegungen – das Blinzeln, den Blick ins Nichts, – visualisieren.
Viele von Hendricks’ Langzeitprojekten sind soziopolitisch motiviert und enorm aufwendig erarbeitet. So legte er mit der Fotografin Magdalena Kopp (1948–2015), Gründungsmitglied der Revolutionären Zellen und Ehefrau des Terroristen Carlos, für das Buch «Crime – Terror – Riots» ein Archiv aus Polizeiaufnahmen aus der RAF-Zeit an. Kopps Einflussnahme auf den Entstehungsprozess war Hendricks wichtig, denn ihm zufolge verwandelten ihre Abzüge und Ausschnitte die Schnappschüsse in Kunst. Ein weiteres Langzeitprojekt von Hendricks ist die 2009 aufgenommene Arbeit an seinem «Luxus Avatar», den er ausschliesslich durch Steuern sparende Betriebsausgaben finanziert. Der «Avatar» ist eine lebensgrosse Figur des Künstlers mit vergoldetem Kopf, der dem Finanzamt ein Schnippchen schlägt: Hendricks stattet sie sukzessive mit Luxusartikeln aus, deren Bezahlung er von den Steuern absetzen kann.
Die Arbeiten von Hendricks ziehen einen in ihren Bann, fordern heraus und irritieren. Dies stellt für den Künstler einen wichtigen Schlüssel zu Empathie und bestenfalls zu sozialem Engagement dar.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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22.06.2018
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