21.08.2018 · 00:30

Datierung ca. 1965
Objektmasse 127.5 x 126.4 x 4 cm
Technik/Material Gouache und Öl auf Leinwand, Aluminium
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr. SK03029
Günter Fruhtrunk

Rot auf Grün und Schwarz

Die Streifenästhetik ist zum Markenzeichen von Günter Fruhtrunk (1923, München, DE – 1982, ebd.) geworden; er hat sie in unzähligen Grafiken, Kunst-am-Bau-Projekten und Bildern wiederholt und variiert. Sein bekanntestes, bis heute millionenfach verbreitetes Werk ist das 1970 für Aldi gestaltete Plastiktüten-Design mit dunkelblauen und weissen Diagonalen.
Als Günter Fruhtrunk im Dezember 1982 in seinem Atelier in der Münchner Kunstakademie Selbstmord beging, stand auf der Staffelei das Bild «Sinnenfundament». Es ist ein grossartiges Bild, das von Gefährdung, Zerbrechlichkeit, von Sensibilität und Schönheit spricht. Zwischen diesem letzten Werk, das wie kein anderes die Grundhaltung von Fruhtrunks Kunst veranschaulicht, und seinen frühen tastenden Arbeiten liegen Jahre des künstlerischen Ringens und Scheiterns an der Uneinlösbarkeit seines eigenen Anspruchs.
Waren die frühen Bilder Fruhtrunks noch durch das künstlerische Erbe Kasimir Malewitschs beeinflusst, stellte der Künstler ab den späten 1960er Jahren die Farbakkorde und Farbklänge in geraden, horizontalen, vertikalen oder diagonalen Streifen dar. Ab den späten 1970er Jahren wurden die Farben intensiver, greller, und die Ausdrucksmittel verknappten sich, bis Fruhtrunk schliesslich begann, freihändig zu malen. Es entstanden Kompositionen aus diagonalen Streifen, die mit offenen, spontanen Gesten auf die Leinwand gebracht wurden. Dem Betrachter vermitteln sie ein Gefühl von Haltlosigkeit und von Bodenlosigkeit.
Im Unterschied zu den rationalistischen Strukturen der streng konkret-konstruktiven Tendenzen, etwa im Umfeld der Zürcher Konkreten, lassen sich Fruhtrunks Farbgeometrien nicht errechnen, zumal bei ihm die Form von der Farbe bestimmt ist. Er benutzte die Geometrie lediglich, um der verselbstständigten Farbe eine Ordnung zu verleihen. Dies mag ein Grund dafür sein, dass sich seine kompositionellen Prinzipien nicht entschlüsseln lassen, dem Betrachtenden die Logik immer wieder entschwindet und die augenscheinliche Systematik nur vorgetäuscht ist. Fruhtrunks letztes Werk repräsentiert jene «Unmöglichkeit des Gesichertseins», von welcher der Künstler einmal als seinem «Sinnenfundament» gesprochen hatte.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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21.08.2018
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