23.01.2018 · 15:00

Datierung 2004
Objektmasse 362 x 362 x 21 cm (400 x 400 x 50 cm mit Bühnenlemementen)
Technik/Material Glas, Aluminium, Holz, Gummi, Bühnenelemente
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Barbara und Hans-Ulrich Doerig
Inv.-Nr. SK08292
Carsten Nicolai

Perfect Square

Carsten Nicolai (1965, Chemnitz, DE (damals Karl-Marx-Stadt, DDR)) verfolgt in seinem Schaffen seit den frühen 1990er-Jahren einen wissenschaftlich fundierten interdisziplinären Ansatz, der unter anderem die Bereiche Sound, Elektronik, Physik und Mathematik umfasst. Was seit jeher Berührungsmomente aufweist, erfährt in Nicolais Arbeit eine Aktualisierung im ästhetisch motivierten Interesse an der Visualisierung versteckter Ordnungsprinzipien, wie sie beispielsweise in Frequenzen und Codes moderner Technologien, aber auch als natürliche Phänomene auftreten. Bestandteile seiner Forschung sind ferner Chaos- und Zufallsstrukturen, fehlerhafte oder bewusst widersinnig erzeugte Impulse, systemimmanente Instabilitäten und nicht zuletzt die Verfahren und Dispositive, die bei solchen Experimenten der Beobachtung, Aufzeichnung und Bildgebung dienen. Kurz: Nicolai bewegt sich künstlerisch zwischen Form und Nicht-Form, am Kristallisationspunkt modellhaft und idealtypisch sichtbar gemachter Gestaltwerdung.
«Perfect Square» (2004) ist so gesehen ein zunächst selbst für Laien ungewohnt einsichtiges und in Anbetracht seiner geometrischen Natur gut in die Sammlung des Museum Haus Konstruktiv passendes Werk. Es besteht aus einer grösseren Anzahl gläserner Quadrate, die auf einem verspiegelten Podest in Folgen von bis zu sechs Platten, wie sie für einen vollständigen Kubus nötig wären, in gleichmässigen Intervallen übereinander gestapelt sind. Ihre horizontale Anordnung folgt dem Schema eines «perfekten Quadrates»: einer selbstähnlichen Figur, die sich dadurch auszeichnet, dass sie aus einer bestimmten Anzahl von Teilquadraten gefügt ist, die alle verschieden gross sind. Die von Nicolai gewählte und in knappster Materialisierung in die dritte Dimension transponierte Parkettierung entspricht der kleinsten heute bekannten Ordnung. Diese zählt 21 Quadrate, wurde 1978 vom holländischen Mathematiker A. J. W. Duijvestijn mit Rechnerunterstützung entdeckt und besitzt die Eigenschaft, dass die Minimallängen der Einzelquadrate, wenn man sie aufsummiert, wie bei einem magischen Quadrat in jeder Reihe den Wert 112 ergeben.* Die Ausführung in grün beschichtetem Glas, für die sich Nicolai entschied, wirkt leicht und erinnert an Lager-, Speicher- und Archivierungslösungen. In der Aufsicht erfährt sie jedoch eine Eintrübung, die im Zusammenspiel mit den vielfältigen Reflexionen einer rationalen Einvernahme, wie sie im mathematischen Raster und der nüchternen Glätte des Materials angelegt ist, entgegensteht. Das objektive und vermeintlich einsichtige wissenschaftliche Modell wird so in eine diffuse, subjektive Wahrnehmung zurücküberführt.

* Setzt man den grössten Teilwert oben links und gruppiert jeweils die Quadrate in Klammern, deren Oberkanten auf gleicher Höhe liegen, so lautet die Notation von oben nach unten 1122 = [502+352+272] + [82+192] + [152+172+112] + [62+242] + [292+252+92+22] + [72+182] + [162] + [422] + [42+372] + [332]. Nicolai hat diese Minimalwerte für «Perfect Square» um etwas mehr als den Faktor 3 erhöht.

Astrid Näff




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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23.01.2018
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