21.01.2018 · 01:26

Datierung 2004
Blattmasse 6 Teile, je 25 x 48 cm
Bildmasse 6 Teile, je 9.5 x 32 cm
Technik/Material Linolschnitt auf Papier
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers
Inv.-Nr. SK04000
Sol LeWitt

Lines in Four Directions in Color on Color

Jahresgabe der Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst, 2004
Sol LeWitt (1928, Hartford, USA – 2007, New York, USA), ausgebildet 1945–1949 an der Syracuse University in New York und 1953 an der dortigen Cartoonist and Illustration School, gehörte – u. a. mit Carl Andre, Dan Flavin und Donald Judd – zu den Begründern der Minimal Art. Ende der 1960er Jahre wurde er zu einer Schlüsselfigur der Concept Art; LeWitts «Paragraphs on Conceptual Art» und «Sentences on Conceptual Art» gelten bis heute als deren bedeutendste Definitionen. LeWitt gibt mit dem Satz «the idea or concept is the most important aspect of the art» der Idee die Vorrangstellung vor der Ausführung. Daraus folgt, dass auf die Ausführung vollständig verzichtet oder diese an Dritte übergeben werden kann – ein radikaler Bruch mit der herkömmlichen Auffassung von künstlerischer Könnerschaft. LeWitt verstand sein Werk als «begrifflich» d. h. weder als eine Illustration der Mathematik noch als eine Transformation von Philosophie. Er hatte ein auf wenige Elemente reduziertes Modularsystem entwickelt (u. a. Quadratraster für die dreidimensionalen, Linienraster sowie Kreis- oder Rechteckkonfigurationen für die zweidimensionalen Arbeiten), das ihm zahlreiche Kombinations- und Variationsmöglichkeiten eröffnete. Mit über fünfhundert «Working Drawings» [Konzept-Zeichnungen] nehmen die «Wall Drawings» [Wandzeichnungen und –malereien] eine Sonderrolle in seinem Schaffen ein; sie sind in mehrfacher Hinsicht der konsequenteste Ausdruck des Konzept-Gedankens. Mit der Entscheidung, direkt auf der Wand zu arbeiten, verband LeWitt das Umgehen traditioneller Bildträger mit einer hohen Flexibilität; die «Wall Drawings» sind weder ideell noch physisch an einen Ort gebunden. Einmal eliminiert, können sie – unter Einhaltung von LeWitts Konzeption und unter der Leitung eines von ihm bestimmten Assistenten – jederzeit andernorts ausgeführt werden.
Der Ausführung der beiden «Wall Drawings» in der Sol LeWitt-Ausstellung im Haus Konstruktiv (2004–2005) ging am 24.2.2004 eine Begehung mit dem Künstler voraus. Er entschied sich daraufhin für zwei Entwürfe aus dem damals aktuellen «Curves»-Zyklus («Working Drawings for Haus Konstruktiv»). Anhand seiner Vorgaben wurden die beiden Wandbilder in rund fünf Wochen zur Ausführung gebracht (Leitung: Nicolai Angelov). Die beiden je 7 x 22 Meter messenden Längswände der grossen Halle wurden mit einer Formation aus ausladend ineinander verschlungenen, mehrteiligen Kreisbögen in den Farben Rot, Gelb, Orange, Grün, Blau und Violett versehen. In der Zeichnung allenfalls zu erahnen, entfaltete die Wandmalerei eine überwältigende Wirkung; die mächtigen Farbwellen schienen den gesamten Raum aus den Angeln zu heben.
Mit der Edition «Lines in Four Directions in Color on Color» griff LeWitt auf eine seiner frühesten Konfigurationen zurück. Er hatte sie 1968 in seiner ersten Wandzeichnung in der New Yorker Paula Cooper Gallery aufgegriffen («Wall Drawing Number One») und später wiederholt variiert. Mit dieser und zahlreichen nachfolgenden Arbeiten hat sich LeWitt als einer der bedeutendsten Vertreter der Konzeptkunst etabliert. Dennoch stiess die geplante Aufstellung seiner Skulptur «Cube» (Walter A. Bechtler Stiftung) in Zürich auf erbitterten Widerstand. Nach jahrzehntelanger vergeblicher Standortsuche hat sie inzwischen endlich einen Platz im Skulpturenpark des Zellweger Parks in Uster gefunden.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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21.01.2018
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