23.04.2018 · 23:27

Datierung 1969
Objektmasse 50 x 25 x 25 cm
Technik/Material Metall, Holz, Magnete
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr. SK07056
Pierre Keller

Pyramide continue (positiv/négativ)

Folgt man den Überlegungen des Kulturhistorikers Johan Huizinga, der Ende der 1930er-Jahre die Theorie vom «Homo ludens» zur Diskussion stellte, dann scheint uns Menschen der Spieltrieb inhärent zu sein. Spielerisch erfährt das Kind, wie seine Umwelt funktioniert, und auch im Erwachsenenalter ist das «Spiel» ein Bestandteil unseres Alltags. In den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts kam es dann auch in der Kunst zu einem spielerischen Umgang mit Werken, der allerdings nicht nur zur Unterhaltung einlud, sondern grundsätzlicheren Fragestellungen der Kunst seit der Moderne Rechnung trug.
Diese sogenannten Spielobjekte – auch «Variations-» oder «Partizipationsobjekte» genannt – luden den Kunstbetrachter dazu ein, das jeweilige Werk durch unterschiedliche Eingriffe zu verändern und zu bewegen. Letzteres rückte sie auch in die Nähe der kinetischen Kunst. Der Kunstinteressierte wurde durch diese aktive Einmischung in das Werk auf eine Art und Weise an die Kunst herangeführt, wie eine reine Betrachtung sie kaum zulassen würde. Dadurch wurde nicht nur die Wahrnehmung eines solchen Werkes durch den Betrachtenden intensiviert, es wurden auch Fragen aufgeworfen, die bis heute Relevanz besitzen: Hat gute Kunst durch die Künstlerhand vollendet zu sein? Was macht Kunst zur Kunst? Kann der Künstler überhaupt vorgeben, wie ein Werk zu lesen ist?
Auch der zum Grafiker ausgebildete Pierre Keller (1945, Gilly, CH), in der Kunstwelt als erfolgreicher Direktor der ECAL (École cantonale d'art de Lausanne), Galerist und Politiker bekannt, hat sich Ende der 1960er-Jahre mit Spielobjekten und ihren Implikationen beschäftigt, da er sich schon früh für kinetische und optische Kunst interessierte. Seine «Pyramide continue (positiv/négativ)» von 1969 spielt nicht nur mit den Gegensätzen zwischen einer vorstehenden und einer einwärts gedrehten Pyramide, sondern auch mit dem Schwarz-Weiss-Kontrast – sowohl bei den beiden Pyramiden als auch bei den einzelnen tränenförmigen Objekten, die dank eingesetzter Magnete wie «Spielfiguren» in allen möglichen Variationen über die beiden Hauptteile verteilt werden können. Auch wenn sich Keller ab Mitte der 1970er-Jahre vornehmlich der Fotografie zuwandte, entsprach dieses Wandobjekt ganz den Ansprüchen einer herausfordernden Künstlergeneration, die sich trotz ihrer klaren, gegenstandsfreien Formsprache immer wieder mal ein Augenzwinkern erlaubte.

Linda Christinger




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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23.04.2018
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