23.01.2018 · 14:50

Datierung 2016
Objektmasse 115 x 115 x 10 cm
Technik/Material Farbe, Holz, Leim auf Karton
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Ankauf ermöglicht durch das Legat von Elisabeth Lauener
Inv.-Nr. SK16007
Carlos Bunga

Construcción Pictórica #23

Raum und Architektur sind die beiden zentralen Themen im Schaffen des portugiesischen Künstlers Carlos Bunga (1976, Porto, PT). Mithilfe einfachster Materialien, vorwiegend Pappkarton und Klebeband, konstruiert er komplexe, teils labyrinthische Installationen – architektonische Parallelwelten, die auf den gegebenen Raum reagieren, daher stets direkt vor Ort entstehen und nach Ablauf der Ausstellung zerstört werden. Anlässlich seiner ersten Schweizer Einzelschau im Museum Haus Konstruktiv 2015 brachte Bunga ein Künstlerbuch mit dem Titel «DNA» heraus, in dem einige seiner konzeptuellen Überlegungen festgehalten sind. «Architektur», so heisst es dort, «ist imstande, unser Gehirn zu beeinflussen und zu formen, sodass wir an eine Utopie glauben können, die als Wahrheit konzipiert ist und als solche akzeptiert wird. Sie wird zu einem integralen Bestandteil unserer Sinne und zu einer Möglichkeit, uns den Orten anzupassen – eine Art Fiktion, die Teil unserer Wirklichkeit wird.» [Übers. d. Autorin]
Bungas temporäre Architekturen sind zum einen ein Reflex auf das mit der Globalisierung einhergehende Phänomen des modernen Nomadentums, das auch die heutige Lebenswirklichkeit vieler Künstlerinnen und Künstler prägt (seine Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv trug den Titel «I am a Nomad»). Zum anderen erscheinen sie wie Rekurse auf Architekturvisionen und -modelle der künstlerischen Avantgarden im 20. Jahrhundert: Man denke beispielsweise an den in den 1920er- und 30er-Jahren entstandenen «Merzbau» von Kurt Schwitters oder auch an die japanischen Metabolisten, die in den späten 1950er-Jahren Architekturformen entwarfen, deren Variabilität und Erweiterbarkeit den urbanen Raum als einen lebendigen Organismus versinnbildlichten.
Carlos Bunga hat an der Escola Superior de Artes e Design im portugiesischen Caldas da Rainha Malerei studiert, seine künstlerische Praxis jedoch bald auf verschiedene Medien ausgeweitet, um sein Thema – den Raum – möglichst vielfältig ausloten zu können. Und so entstehen, stets in der nachträglichen Aufarbeitung seiner Installationen, auch Collagen, Zeichnungen, Performances, Skulpturen, Videos und Bildobjekte wie die «Construcción Pictórica #23», die sich nun in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv befindet. Sie ist, wie die Nummerierung erkennen lässt, Teil einer Werkgruppe, in der Bunga die unmittelbare Zusammenführung von Malerei, Skulptur und Architektur gelingt. Eine Synthese, die zu Vergleichen mit Objekten des russischen Konstruktivisten Wladimir Tatlin anregt und doch ganz eigenständig bleibt: Diese «Bildkonstruktionen» lassen an Häuserwände, mitunter an Tür- oder Fensterverschläge denken, Kolorit und Craquelé unterstreichen diese Assoziation. Der Charme verfallender Gebäude, die Ästhetik des Vergänglichen wird hier durch Malerei erzeugt.
Carlos Bunga machte erstmals auf der «Manifesta 5» in Donostia-San Sebastián 2004 international auf sich aufmerksam. Seither konnte er sein Schaffen in vielen renommierten Museen in Europa und den USA präsentieren.

Britta Schröder




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



Museum Haus Konstruktiv · Selnaustrasse 25 · 8001 Zürich · +41 (0)44 217 70 80 · info@hauskonstruktiv.ch
© 2018 Museum Haus Konstruktiv. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
23.01.2018
14:45 Uhr MEZ