22.06.2018 · 21:02

Datierung ca. 1975
Bildmasse 56 x 76 cm
Technik/Material Öl auf Büttenpapier
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus Privatbesitz
Inv.-Nr. SK03014
John Mc Laughlin

Ohne Titel

John McLaughlin (1898, Sharon, USA – 1976, Dana Point, USA) wandte sich erst knapp fünfzigjährig der Malerei zu. Als junger Mann hatte er, von der Kultur Japans fasziniert, das Studium der japanischen Sprache aufgenommen. Von 1935 bis 1937 lebte er mit seiner Frau in Tokio und Peking, wo er begann, eine Sammlung asiatischer Kunst zusammenzutragen. Auf deren Grundstein eröffnete er 1937 die insbesondere auf japanische Kunst spezialisierte Galerie The Tokaido, Inc. in Boston. Während des Zweiten Weltkriegs war er für das Militär als Dolmetscher und Asienfachmann zeitweise auch in Indien und Burma stationiert. Nach seiner Entlassung liess er sich mit seiner Frau, weiterhin im Kunsthandel tätig, in Dana Point in Kalifornien nieder.
Nachdem McLaughlin, angeregt vom Neoplastizismus, um 1950 den Schlüssel zur geometrischen Formensprache gefunden hatte, unterzog er diese ab den 1960er-Jahren einer radikalen Vereinfachung. Zugunsten der «emphasis on simplicitiy» beschränkte er sich fortan auf wenige, stets orthogonale Formelemente in vorwiegend axialsymmetrischer Anordnung. Diesem formalen Reduktionsprozess entspricht eine mehrheitlich auf Schwarz, Weiss, Grau und Beige fokussierte Farbgebung; nur im druckgrafischen Œuvre treten wiederholt leuchtende Farbtöne auf. McLaughlins Bildsprache geht weder auf systematische Vorgaben noch die Idee einer thematischen Veranschaulichung zurück. Vielmehr beabsichtigte er, die von ihm an der japanischen Kunst bewunderte «economy of means in concert with large unpainted areas» vor dem Hintergrund kontemplativer Stille auf seine eigene Kunst zu übertragen. Die für diese Intentionen charakteristische Papierarbeit «Ohne Titel» von 1975 vermittelt Stille in geradezu hieratischer Geschlossenheit. Sie basiert auf zwei symmetrisch angeordneten schwarzgrauen Hochrechtecken, die gleichmässig von einer eben solchen «large unpainted area» umrandet sind.
In den USA war John McLaughlin bereits zu Lebzeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, u. a. im Pasadena Art Museum (1963), im Museum of Modern Art in New York (1965 und 1975) und im Whitney Museum of American Art (1974). In Europa wurde er erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt. Obwohl eine Generation älter, wird er den Vertretern der Hard-Edge-Malerei zugerechnet und als ein Wegbereiter des Minimalismus angesehen. Letztendlich jedoch nahm er, in seiner Haltung zutiefst spirituell, innerhalb dieser Grundströmungen eine singuläre Position ein.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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