22.06.2018 · 21:03

Datierung 1965 - 1968
Objektmasse 100.5 x 100.5 x 9.5 cm
Technik/Material Plexiglas, Kunstharz, Holz
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr. SK03031
Klaus Staudt

Plexiginfachrelief/grau

Er habe, so erklärte Klaus Staudt (1932, Ottendorf, DE) 2015 in einem Interview, schon immer ein konstruktives Element in sich gehabt und daher als junger Mann erwogen, Architektur zu studieren. 1954 aber fiel die Wahl des damals 22-Jährigen zunächst auf die Medizin. Er ging nach Marburg, machte sein Physikum und hörte parallel Kunstgeschichtsvorlesungen. Während eines Studienjahres in München 1957 war er Gaststudent an der Akademie der Bildenden Künste. Ausschlaggebendes Moment für seinen endgültigen Wechsel von der Medizin zur konstruktiv-konkreten Kunst war der Besuch der documenta II in Kassel 1959: Hier stand das Thema Abstraktion im Mittelpunkt, und neben zeitgenössischen Exponaten – vorwiegend gestischen Malereien, aber auch Werken konkreter Künstler wie Max Bill oder Piero Dorazio – wurden einige «Lehrmeister der Kunst des 20. Jahrhunderts» eindrucksvoll zusammengeführt. Wassily Kandinsky, Paul Klee und Piet Mondrian waren vertreten, Auguste Herbin, Naum Gabo und Kasimir Malewitsch – allesamt Pioniere der geometrischen Abstraktion und des Konstruktivismus. An Malewitschs Werken gefiel Staudt das Transzendente, an jenen Mondrians das Gebaute, Architektonische.
In seinem eigenen Schaffen seit Beginn der 1960er-Jahre ist es Staudt gelungen, diese beiden Anteile auf das Engste miteinander zu verbinden: in Reliefs, freistehenden Plastiken und architekturbezogenen Arbeiten. Quadrat und Würfel bilden das Hauptmodul seiner Werke, Serialität, Strukturalität und Systematik deren Grundprinzipien. Leichtigkeit, Eleganz, Rhythmik und ein die Wahrnehmung subtil herausforderndes Spiel mit Licht und Plastizität, Bildräumlichkeit und Bewegung begründen ihren Reiz. Eine wichtige Inspirationsquelle waren in den frühen Schaffensjahren die Impulse der Nouvelle Tendance, einer europäischen Künstlerbewegung, der er sich 1963 anschloss. Ihre vielbeachteten Ausstellungen waren geprägt von dem gemeinsamen Interesse an konstruktiv entwickelten Konzepten, seriellen Verfahren, (licht-)kinetischen Effekten und der Verwendung neuer Materialien.
Weiss als die Farbe des Lichts dominiert Staudts Schaffen seit den Anfängen, nur gelegentlich kommt Farbe ins Spiel, mitunter durch eingefärbte, das eigentlich weisse Objekt abschliessende Plexiglasscheiben. In manchen Werken erzeugt Staudt durch den Einsatz semitransparenter Scheiben einen in zwei Ebenen geteilten Objektraum, der die vorn eingesetzten Strukturelemente in konstruktiver Klarheit, die hinter der Scheibe liegenden, identischen Elemente hingegen in malerischer Unschärfe erscheinen lässt. Das graue Relief in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv ist exemplarisch für die Werke, die Staudt in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre entwickelte. Quadratisch in den Abmessungen, zeigt uns der Objektkasten ein von Licht und Schatten belebtes Raster aus 10 x 10 kleinen, unterschiedlich gedrehten Würfeln.
Parallel zu seiner künstlerischen Tätigkeit hat sich Klaus Staudt auch mit kuratorischen Projekten einen Namen gemacht: 1960 gründete er gemeinsam mit Gerhard von Graevenitz und Jürgen Morschel die Galerie nota in München. Sie etablierte sich als gute Adresse für wegweisende Positionen der konkreten Kunst; u. a. mit Ausstellungen François Morellet, Otto Piene und Heinz Mack. In seiner Heimatstadt Otterndorf baute Staudt zwischen 1974 und 1997 die Sammlung des Studio A auf – heute das Museum gegenstandsfreier Kunst. Von 1974 bis 1994 war er Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Britta Schröder




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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