18.10.2017 · 17:04

Datierung 1976
Blattmasse 56 x 56.5 cm
Technik/Material Aquatinta auf Papier
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Inv.-Nr. SK98011
Jean Baier

Ohne Titel

Mappe mit 6 Aquatinta-Grafiken
Klare, scharfkantig gegeneinander versetzte (Farb-)Formen prägen das Œuvre Jean Baiers (1932, Genf, CH – 1999, ebd.). Mit seinen Gemälden, Grafiken, Objekten, Skulpturen, Fassaden- und Bühnengestaltungen hat er einen substanziellen Beitrag zur Schweizer konkreten Kunst geleistet, und dies vor allem in zweierlei Hinsicht: zum einen in Bezug auf den Umgang mit Fläche und Raum, zum anderen in Bezug auf die künstlerische Verwendung industrieller Fertigungstechniken und Materialien.
Das Changieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität oder (wie es in einem Nachruf auf den Künstler in der Zeitschrift «Werk, Bauen + Wohnen» 1999 treffend hiess) «zwischen Darstellung und Herstellung von Raum» eint die Bild- und Objektwelt Baiers. So schieben sich in seinen flächigen Arbeiten Rechteck- und Dreieckformen als collagehafte Versatzstücke zu komprimierten Gefügen zusammen, in denen nur hier und da ein schmaler Spalt offen bleibt – eine Art Freiraum, in dem sich die kompositionelle Spannung zu entladen scheint. In den realiter räumlichen Arbeiten wiederum, in den Bühnenbildern etwa, die er für das Théâtre de poche in Genf konzipierte, tauchten ähnlich geschnittene Formelemente und gegenläufige Dynamiken wie in seinen Bildern auf, und auch hier gelang ihm der Balanceakt, Spannungsfelder zu generieren, ohne durch sie die Kohärenz des Ganzen zu sprengen. Diese besondere Qualität brachte Baier diverse Kunst-am-Bau-Aufträge ein; bekannt sind u. a. seine farbigen Metallreliefs für die ehemalige Mensa der Hochschule St. Gallen (1963) sowie seine Wandgestaltung für die Schweizer Botschaft in Brasília (1983).
Wie bei den facettierten Reliefs für St. Gallen trug Baier die Farbe auch in seinen Bildwerken häufig mit der Spritzpistole auf; als Untergrund dienten ihm meist Blech, Aluminium und synthetische Stoffe. Seine Vorliebe für eine industriell anmutende Ästhetik dürfte ihren Ursprung in Baiers Ausbildung als Mechaniker haben. Als Künstler war er Autodidakt. Baier hatte sich bereits als Jugendlicher mit Malerei befasst, seine Hinwendung zur Abstraktion allerdings geht auf ein Schlüsselerlebnis zurück: Mit 19 Jahren hörte er einen Vortrag des französischen Malers Fernand Léger. Vier Jahre darauf, 1955, wandte er sich vollends seiner künstlerischen Arbeit zu – und war bald auf zahlreichen Ausstellungen vertreten. Ab den 1960er Jahren gehörte Baier zu den prominentesten Schweizer Künstlern seiner Generation.

Britta Schröder




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

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18.10.2017
17:00 Uhr MESZ