17.12.2017 · 07:23

Datierung 1991
Objektmasse 75 x 34 x 1.5 cm
Technik/Material Öl auf Holz
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Künstlerin
Inv.-Nr. SK98044
Anna Blume

Ohne Titel

Bis Mitte der 1970er-Jahre signierte die mit dem Maler August Frei verheiratete Künstlerin Anni Blum (1912, Zürich, CH – 2001, Meierskappel, CH) mit ihrem Ehenamen Anni Frei, dann legte sie sich den von Kurt Schwitters’ Dada-Gedicht inspirierten Namen Anna Blume zu. Sie hatte als junge Frau 1935/1936 die Académie de la Grande Chaumière in Paris besucht und war auch später öfters in die Metropole zurückgekehrt. Ihre Affinität zu Frankreich spiegelt sich in ihrem Schaffen wider: Das figurative Werk – Landschaften, Figurenbilder, Interieurs und Stillleben – lebt vom atmosphärischen Flair der französischen Malerei.
In den 1980er-Jahre wandte sich Anna Blume in Malerei und Zeichnung schrittweise einer geometrisierenden Bildsprache zu. Sie ist nicht mit klassischen Vorstellungen etwa der Zürcher Konkreten verwandt, sondern vielmehr eine aus archaischen Zeichensetzungen gespeiste Eigenkreation. Die Formensprache, artikuliert in der lapidaren Verbindung und Überlagerung von Kreisen, Ovalen, Quadraten und Linienstrukturen, ist Ergebnis von Intuition und Imagination. Für die Malerei in Öl zog die Künstlerin der klassischen Leinwand einen körperhaften Malgrund vor. Sie verwendete gern alte, gebrauchte, oft dickleibige Holzbretter, sodass sich ihre Malerei am Rande der Objektkunst bewegt. Die Farbe trug sie in mehrfachen Lagen in gestischen Pinselzügen auf und kratzte zuweilen einzelne Partien in den hölzernen Bildgrund ein. Die natürlichen Kerben und Buckel der Holzstruktur wurden in den Malprozess miteinbezogen, wodurch sich der Eindruck einer dinghaften Materialität noch verstärkt. Die Farbgebung spannt sich von pastellartig hellen bis zu erdig braunen oder rötlichen Tönen, wobei die Malerei im Unterschied zu den Arbeiten auf Papier meist eine gedämpfte Farbtemperatur aufweist.
Wie in den magischen Stillleben, die der geometrisierenden Phase vorangingen, geht es auch in dieser um eine sinnbildliche Welt. Anna Blume war von der archaischen Symbolkraft der geometrischen Zeichen fasziniert. Sie hat in ihrem Spätwerk dort angeknüpft, wo die Geometrie einst begonnen hatte: In der Frühgeschichte der Zivilisation.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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17.12.2017
07:15 Uhr MEZ