18.10.2017 · 17:05

Datierung 1957/59
Bildmasse 80 x 85 cm
Technik/Material Kunstharz-Emaille-Lackfarbe auf Leinwand
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Celia Ascher
Inv.-Nr. SK92020
Camille Graeser

Quanten-Äquivalenz an der Horizontalen II

Camille Graeser (1892, Carouge, CH – 1980, Wald, CH) darf als der Poet und optische Musiker unter den Zürcher Konkreten angesehen werden. Obschon er sich, wie seine Zürcher Künstlerfreunde Max Bill, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse, dem logischen Gestalten auf geometrischer Grundlage – mit Mass und Wert von Farbe, Form und Linie – verpflichtet fühlte, zeichnet sich sein malerisches, grafisches und plastisches Werk durch eine ganz eigene, lyrisch-musikalische Dimension aus.
Nach erfolgreicher Tätigkeit als Innenarchitekt, Produktgestalter und Werbegrafiker in Stuttgart zwang die Machtergreifung der Nationalsozialisten Graeser 1933 zur Flucht nach Zürich. Seine bis dahin entstandenen, expressiven und kubo-futuristischen Zeichnungen und Aquarelle sind nur in geringem Umfang erhalten. 1937 wurde Graeser Mitglied der Künstlervereinigung Allianz, die öffentlich für die zeitgemässen künstlerischen Tendenzen, insbesondere für die konkrete Kunst im Sinne von Hans Arp und Theo van Doesburg einstand. Ab dieser Zeit ist sein Schaffen durch die Maximen der konkreten Kunst geprägt. Waagrechte und Senkrechte und bald das Quadrat bestimmen die Bildordnungen. In den 1940er Jahren sorgen systematisch angelegte Kompositionsprinzipien – Addition, Progression, Rotation und die Rhythmisierung der Elemente – für eine spielerische Anmutung. Ab den 1950er Jahren kommen dynamische Balkenkompositionen hinzu; stets geht es um die Relationen von Formen und Farben. Komplementäre Farbstreifen reihen sich aneinander oder werden mit Quadraten ergänzt, wobei – wie in «Quanten-Äquivalenz an der Horizontalen II» – jede verwendete Farbe dieselbe Fläche einnimmt wie die anderen Farben. Zuweilen tanzt im Spätwerk auch ein Quadrätchen aus der Reihe, so in der sogenannten «Dislokation» oder «Translokation».
Der Künstler zeichnete und malte nicht nur, sondern schuf auch bemalte hölzerne Flachreliefs und Stabplastiken; ab 1965 sind es Multiples und Serigrafien, die auf bereits realisierten Bildideen basieren. Camille Graeser lädt seine Bildlogik mit Poetik auf, was für die konkrete Kunst einzigartig ist. Es entfaltet sich eine Sinfonie für die Augen, und die Farbe wird regelrecht zum Klingen gebracht.

Ursula Meier




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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18.10.2017
17:00 Uhr MESZ