25.06.2017 · 20:54

Datierung 1968
Objektmasse 121 x 121 x 12.5 cm
Technik/Material Spiegelglas, Glas, Aluminium, Holz
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr. SK04012
Christian Megert

Ohne Titel (Spiegel)

Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule Bern von 1952 bis 1956 wurde Christian Megert (1936, Bern, CH) im avantgardistischen Kreis um die Berner Galerie 33 aktiv. Zwischen 1957 und 1960 hielt er sich zeitweise in Stockholm, Berlin und Paris auf. Wichtige Impulse erhielt Megerts Schaffen in den 1960er Jahren durch seine Kontakte zu den ZERO-Künstlern Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. 1959/1960 begann Megert, mit Spiegeln zu experimentieren, indem er Spiegelfragmente zu vorerst kleineren Objekten zusammenfügte. 1961 veröffentlichte er das Manifest «ein neuer raum», in dem er festhielt: «ich will einen neuen raum bauen, einen raum ohne anfang und ende, in dem alles lebt und zum leben aufgefordert ist, der gleichzeitig ruhig und laut, unbewegt und bewegt ist.»
1968 verwirklichte er diese Vorstellung auf der documenta IV in einer spektakulären, begehbaren, allseitig verspiegelten Rauminstallation, zu deren Opulenz das Wandobjekt «Ohne Titel» aus demselben Jahr sozusagen das minimalistische Gegenstück bildet. Aufs Notwendige reduziert, setzt sich «Ohne Titel» aus einer einzigen quadratischen Spiegelfläche und einer sie umgrenzenden schwarzen Aluminiumfläche in einem Holzkasten zusammen. Diese hat die Funktion, die Spiegelfläche optisch von der Wandfläche abzusetzen, den Blick auf das Bildinnere zu zentrieren und zugleich den Rahmen für das sich in der Spiegelfläche abzeichnende Geschehen abzugeben. Denn unabhängig davon, ob man als stiller Beobachter den im Werk sich spiegelnden Umgebungsraum neu entdeckt oder ob man, direkt vor der Spiegelfläche stehend, selbst zum Mitspieler des Bildes wird, behauptet sich das Werk als nachhaltiges Wahrnehmungsmodell.
An diesem partizipativen Prinzip, das er seit 1980 auf die Kombination von Spiegelflächen und Farbe sowie auf hochglanzpolierten Granitstein ausdehnt, hält Megert bis zum heutigen Zeitpunkt fest. Das Dialogische bildet zugleich den Kernpunkt seiner langjährigen Professur für Integration von bildender Kunst und Architektur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf und seiner Beträge zur städtischen Umweltgestaltung. In allen diesen Tätigkeiten hat Megert seiner Überzeugung von der Relevanz der bildenden Kunst für die Gesellschaft nachdrücklich Ausdruck verliehen.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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25.06.2017
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