18.10.2017 · 17:05

Datierung 1976
Objektmasse 120 x 120 x 5 cm
Technik/Material Öl auf Leinwand
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Brigitte und Jack Waser
Inv.-Nr. SK00005
Aurélie Nemours

Rythme du millimètre

Aurélie Nemours (1910, Paris, FR – 2005, ebd.), die «grande dame de l’art concret», ist eine der wenigen Frauen ihrer Generation, die sich in der männlich dominierten, vermeintlich «kalten Kunst» durchzusetzen vermochten. Weniger bekannt als ihr künstlerisches Werk ist ihr lyrisches Schaffen, in dessen verdichteter Sprache sich der Elementarismus ihres malerischen Œuvres wiederfindet («Option avec blanc», Edition). Ihre künstlerischen Intentionen begann Nemours erst im Alter von rund vierzig Jahren zu verwirklichen. Stationen ihres Werdegangs waren das Studium der Kunstgeschichte an der Ecole du Louvre, der Besuch der Ecole Paul Colin (1937–1940) und der Académie André Lhote (1941) sowie die Ausbildung im Atelier von Fernand Léger (1948/1949). Nach dieser vorwiegend auf die Figuration fokussierten Kunstausbildung wandte sie sich Anfang der 1950er Jahre konsequent der geometrischen Abstraktion zu. Sie entwickelte ein streng reduziertes, auf der Orthogonalstruktur basierendes Vokabular, an dem sie lebenslang festhielt: Horizontale, Vertikale, Rechteck, Quadrat, Winkelform und Linie. Präsent ist es sowohl in den exquisiten, meist auf wenige Klänge reduzierten Farbbildern als auch in den hieratischen Schwarz-Weiss-Folgen und den ab Ende der 1980er Jahre aufgenommenen monochromen Werken. Zentrale Grundlage ihres Œuvres waren der Künstlerin zufolge die drei korrespondierenden universalen Komponenten «nombre, rythme et forme» (Zahl, Rhythmus und Form). Diese geben die Richtung vor, in der sich die Beziehungsmodalitäten zwischen Rhythmus/Raster, Linie/Fläche, Horizontale/Vertikale oder Fülle und Leere («Toccata 7», «mil neuf cent quatre vingt six, X» oder «Sur le nombre 5» ) im Wechsel der Akzentuierung entfalten.
Die mit Kohle- oder Pastellstudien präzise vorbereiteten Bildausführungen waren das Ergebnis langwieriger Reflexionsprozesse, was Nemours im Lauf der 1970er Jahre dazu veranlasste, sich stärker auf Serien zu konzentrieren, darunter die «Sériel blanc», «Structure du silence» oder «nombre et hasard» betitelten Folgen. «Rythme du millimètre» (Rhythmus des Millimeters) ist nicht nur eine der umfangreichsten, sondern auch die radikalste dieser Serien. Sie umfasst über zwanzig Gemälde (z. B. «Rythme du millimètre» von 1976) sowie eine gleichnamige, 21-teilige Grafikedition, die 1985 erschien. Einer Partitur vergleichbar, bringt diese Ode an den Millimeter in striktem Schwarz-Weiss-Kontrast und höchstmöglicher Verdichtung die Wechselwirkungen zwischen Zahl, Rhythmus und Form zum Klingen. Das über ein Jahrzehnt hinweg erarbeitete Konvolut «Rythme du millimètre» enthält sozusagen die Quintessenz des philosophisch geprägten Werkverständnisses von Aurélie Nemours: In der Formenstrenge der von ihr erwählten geometrischen Kunst die «valeurs éternelles et absolues» (Serge Lemoine) – d. h. die ewigen und absoluten Werte – zur Darstellung zu bringen.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

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Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
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18.10.2017
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