21.10.2017 · 12:29

Datierung 1973
Objektmasse 60 x 60 x 8 cm
Technik/Material Acryl auf Holzfaserplatte
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers
Inv.-Nr. SK98006
Josef Neuhaus

Relief 1973–25

Nach seiner Ausbildung an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (1945–1950) war der deutsche Plastiker Josef Neuhaus (1923 Essen, DE – 1999 Neuss, DE) von der Figuration allmählich zur Abstraktion übergegangen. Dieser Entwicklung folgte nach 1955 eine radikale Zäsur: Neuhaus wandte sich einem von strikt geometrischen Prinzipien geleiteten Vokabular zu und suchte fortan, durch die Reduktion der Form, die reine Farbe Weiss und die darin aufgefangene Dimension des Lichts zu einer dauerhaften «Sprache des Raums» zu gelangen. Die Erarbeitung dieser Thematik erfolgte nicht linear, sondern in periodischer Rückbesinnung auf vorhergehende Schaffensphasen. Neuhaus kehrte immer wieder zu früheren Formulierungen zurück, um deren Ordnungsstrukturen einer Revision zu unterziehen. Der Schwerpunkt dieser «Sprache des Raums» liegt auf der Beziehung zwischen Innen- und Aussenraum, zwischen visueller Offenheit und visueller Geschlossenheit. Er manifestiert sich einerseits in offenen Gitterstrukturen aus Stegen, andererseits in kompakten Körpern, die mit schmalen Fugen oder Spalten – oder umgekehrt mit in den Raum vordringenden Flachreliefs versehen sind. Als Material kam mit wenigen Ausnahmen Holz zur Anwendung, wobei dieses, durch einen deckenden weissen Farbüberzug vollständig neutralisiert, eine reine Trägerfunktion erfüllt. Besonderes Gewicht kommt der Farbe Weiss zu, deren Licht reflektierende Eigenschaft eine Steigerung der räumlichen Wahrnehmung bewirkt, indem sie das Auge auf die zarten Schattenwirkungen auch minimer Vertiefungen respektive Erhöhungen lenkt. So konzentriert sich auch im Werk «Relief 1973–25» von 1973 der Blick auf die quadratförmig eingeschnittene Fuge, die, wahrnehmbar als dunkle Linie, das Weiss der Oberfläche durchbricht.
Auch wenn das Werk von Josef Neuhaus an die Minimal Art anklingt, liegt ihm eine konträre Absicht zugrunde. Was den Künstler zur formalen Reduktion antrieb, war seine Suche nach Inhaltlichkeit, nämlich mittels Form, Farbe und Licht zur Vergeistigung des Raums vorzudringen.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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21.10.2017
12:15 Uhr MESZ