18.10.2017 · 17:05

Datierung 1926 - 28/1998
Objektmasse 326 x 507 x 347 cm
Technik/Material Holz, MDF-Platten, Farbe
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Vereins «Swiss, made», der Schweizerischen Stiftung Pro Helvetia und des Bundesamtes für Kultur
Inv.-Nr. SK00013
Sophie Taeuber-Arp

Bar Aubette (Rekonstruktion)

Teil des Gesamtkomplexes Aubette in Strassburg, Entstehungszeit: 1926/28.
Original zerstört, Rekonstruktionsmodell im Verhältnis 1:1, 1998.
Farbbestimmung und -betreuung: Jean-Louis Faure, Musées de la ville de Strasbourg und Ruedi Bienz, Bern (die Balustraden sind Zitate aus dem ebenfalls von Sophie Taeuber gestalteten «salon de thé»).
Dieses Modell wurde für die Ausstellung «Swiss, made. Die Schweiz im Austausch mit der Welt.» hergestellt.
Eine der zentralen Utopien der Moderne war es, die freie mit der angewandten Kunst zusammenzuführen und somit ästhetisch wie ethisch auf die Gesellschaft einzuwirken. Von vielen nur theoretisch propagiert, hat Sophie Taeuber (1889, Davos, CH – 1943, Zürich, CH) diese Utopie tatsächlich gelebt: Sie war Textilgestalterin und Kunsthandwerkerin, Innenarchitektin und Architektin, sie war Malerin, Plastikerin, Redaktorin, Pädagogin und Tänzerin. Sie nahm am Zürcher Dadaismus teil und war eine Pionierin der konstruktiven Kunst: Ihr vielgestaltiges Werk, in dem sich grenzüberschreitend ein untrügliches Farb-/ Formverständnis mit poetischer Ausdruckskraft vereint, weist sie als eine der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts aus.
Sophie Taeuber hatte ihre kunsthandwerkliche Ausbildung in St. Gallen, München und Hamburg erhalten, bevor sie sich 1914 in Zürich niederliess. Ihren Lebensunterhalt sicherte sie sich mit Textilarbeiten und ab 1916 als Lehrerin für textiles Gestalten an der Kunstgewerbeschule Zürich. Um 1915 entwickelte sie, ohne Kenntnis der russischen und holländischen Pioniere, eine eigenständige konstruktive Sprache. Im gleichen Jahr lernte sie Hans Arp kennen; es entstand eine beidseitig inspirierte Arbeits- und Lebensgemeinschaft. Bis 1929 konzentrierte sich Taeuber auf Arbeiten auf Papier, die sie mit rhythmisch bewegten Farbflächen oder stilisierten Figuren in leuchtenden Farbklängen versah. 1929 gab sie die Lehrtätigkeit in Zürich auf und bezog mit Arp ein von ihr entworfenes Atelierhaus in Meudon bei Paris. In engem Austausch mit den abstrakten und konkreten Künstlern in Paris entstand bis zur Flucht 1940 das eigentliche – um Malerei und Relief erweiterte – Hauptwerk. Unter periodisch wechselnden Gesichtspunkten umkreist Sophie Taeuber u. a. Horizontal-/ Vertikalordnungen, Rechteck-/ Kreiskombinationen, Quadrat- und Kreiskonstellationen und die Linie. Eine sich stetig fortsetzende Ergründung der Wechselwirkung zwischen farb-formalen und geistig-sinnlichen Kräftefeldern.
«Schematische Komposition» von 1930 gehört einer kleineren Werkgruppe – Gouachen, Gemälde und Reliefs – von Kreis- und Rechteckformen auf schwarzem Grund an. Der Titel suggeriert eine schematische Struktur, die allerdings nur ansatzweise eingehalten wird: Abgesehen vom feststehenden Format der Kreis- und Rechteckfiguren lässt sich im teils engeren, teils weiteren Verbund kein Raster erkennen. Die Schwärze des Bildträgers verleiht den Figuren eine gleichsam dramatische Präsenz und hebt sie kontrastreich vom Bildgrund ab.
Die Rekonstruktion der «Bar Aubette» ist eine Hommage an Sophie Taeubers Beitrag zu einem der bedeutendsten Gesamtkunstwerke der Moderne. Die sogenannte «Aubette» war ein von André und Paul Horn initiierter Vergnügungskomplex im denkmalgeschützten Palais Kléber in Strassburg. Sophie Taeuber 1926 in Auftrag gegeben, wurde die «Aubette» von ihr als Bauleiterin in enger Zusammenarbeit mit Hans Arp und Theo van Doesburg in den Jahren 1927/1928 fertiggestellt. Das avantgardistische Interieur wurde bald nach der Eröffnung verändert und unter der deutschen Besatzung weitgehend zerstört. Einige der rund ein Dutzend Räume wurden restauriert bzw. rekonstruiert und sind heute öffentlich zugänglich. Die im Erdgeschoss gelegene «Bar Aubette» ist nicht erhalten; damit erinnert allein die – von Sophie Taeubers Entwürfen und den wenigen Schwarz-Weiss-Aufnahmen ausgegangene – Rekonstruktion an diesen als «Farbschrein» zu bezeichnenden, lediglich 5 x 3,4 Meter Grundfläche umfassenden Raum. Taeuber wählte für dessen Gestaltung eine die Decke und die vier Wände rundum einheitlich umschliessende, vertikal-horizontale Komposition. Monochrome Farbflächen wechseln mit Quadratfeldern, warme mit kalten, helle mit dunklen Tönen, bunte Partien mit weiss, grau und schwarz gehaltenen ab. Selbst in der Rekonstruktion wird deutlich, dass die «Bar Aubette» dank ihres heiteren Farb-/Formenspiels zu den atmosphärisch stimmigsten von Sophie Taeubers Raumgestaltungen gehört.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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18.10.2017
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