21.10.2017 · 12:29

Datierung 1996
Objektmasse 5 Teile, je 17.5 x 0.7 x 0.7 cm
Objektmasse 4.5 x 18 x 1.5 cm (Schachtel)
Technik/Material Bedruckte Bleistifte, Schachtel
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung haus bill, Zumikon
Inv.-Nr. SK99004
Lawrence Weiner

5 Works by Lawrence Weiner

«Kunst, die funktioniert, braucht keinen Kontext. Es muss keine feste Wertestruktur geben, um sie zu verstehen. Aber jeder Mensch hat das Bedürfnis oder das Verlangen, die Bedeutung von Kunst zu verstehen – und diese Bedeutung findet jeder für sich allein.»
Als der US-amerikanische Konzeptkünstler Lawrence Weiner (1942, New York, USA) dieses Statement 2012 formulierte, standen er und sein Interviewer inmitten des Trubels auf der Kasseler «documenta 13» (2012) – gleich neben einem der Werke, die Weiner dort präsentierte: Auf einer Glasscheibe, die den Raum teilte, war in grossen Lettern zu lesen: «THE MIDDLE OF THE MIDDLE OF THE MIDDLE OF». Mit dem ihm eigenen Witz erklärte Weiner, dass es stets «eine Mitte von der Mitte von der Mitte von» gebe, es komme nur darauf an, was man sich selbst als Kontext setze.
Weiner war damals bereits zum vierten Mal auf der documenta vertreten; er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Konzeptkunst. Dies zum einen als Theoretiker (sein 1968 publiziertes Buch «Statements» gehört zu den Inkunabeln dieser Kunstrichtung) und zum anderen mit sprachbasierten Kunstwerken, die er als «Wortskulpturen» bezeichnet und die in unterschiedlichen Medien Gestalt annehmen können: in Videos, Plakaten, Audioaufnahmen oder Performances etwa, aber auch und vor allem in grossformatigen Wandtexten und -installationen. So versah er, anlässlich seiner umfassenden Retrospektive in Düsseldorf 2008, die Fassade der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit der 100 Meter langen Aufschrift «VIELE FARBIGE DINGE NEBENEINANDER ANGEORDNET BILDEN EINE REIHE VIELER FARBIGER DINGE» (1979) und eine Strassenbahn mit dem Aufdruck «EINE LINIE GEZOGEN VOM ERSTEN STERN DER ABENDDÄMMERUNG BIS ZUM LETZTEN STERN DER MORGENDÄMMERUNG» (1995).
Weiner platziert seine poetischen Nachrichten jedoch nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch auf Alltagsobjekten, die er als Editionen herausgibt, darunter Ansteckbuttons und Streichholzbriefchen. Auch die «5 Works», die sich in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv befinden, lassen einen Alltagsgegenstand zum Träger einer Botschaft werden, die unsere Imagination anregt, Bilder entwirft, sie aber nicht festschreibt. Das wiederkehrende Wort «Graphit» erscheint dabei wie ein Anker, der unsere Gedanken auf die materielle Beschaffenheit der fünf Bleistifte zurücklenkt.

Britta Schröder




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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21.10.2017
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