18.10.2017 · 17:05

Datierung 1989
Blattmasse 55 x 60 cm
Technik/Material Serigrafie auf Papier
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers
Inv.-Nr. SK07106
Carlos Cruz-Diez

Ohne Titel

Jahresgabe der Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst 1989
Carlos Cruz-Diez (1923, Caracas, VE) arbeitet mit Mitteln der Op Art und der kinetischen Kunst, und er ist ein grosser Theoretiker der Farbe. Bekannt geworden ist er hauptsächlich durch seine «Physichromien», Farbreliefs aus unterschiedlichen Materialien, die mit dem Standortwechsel des Betrachters veränderliche optische Effekte erzeugen. Mit den «Physichromien» schafft Cruz-Diez zudem Synthesen von baulicher Fassadenstruktur und permeabler Fensterfassade. In engem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Grafiker, Gestalter und Illustrator entwickelt Cruz-Diez, inspiriert von den künstlerischen Entwicklungen der Moderne in Europa und den neuen kinetischen Techniken, unabhängige künstlerische Ansätze. Schwerpunkte seiner Arbeit liegen seit den 1950er Jahren in der Beschäftigung mit den optischen Effekten von Farben und Formen, mit Farbinterferenzen und -kontrasten sowie mit der Farb- und Formperzeption.
Nachdem Cruz-Diez in den 1960er Jahren begonnen hatte, auch mit farbigem Licht, veränderlichen Lichtprojektionen und Environments zu experimentieren, entstanden in den 1970er Jahren grossflächige, zum Teil chromatische Farbstrukturen im architektonischen und urbanen Kontext. An die frühen, objekthaften Chromostrukturen knüpfen die geometrischen, farbig bepflanzten Landschaftsstrukturen an, die erneut auf eine multiperspektivisch-dynamische Erschliessung angelegt sind, so im «Laberinto Cromovegetal» (1994) der Universität Simón Bolívar, Caracas.
Die Kunst von Cruz-Diez zeichnet sich besonders durch die Autonomie der Farbe aus. Je nach Betrachterstandpunkt tritt eine von ihnen optisch hervor und verleiht dem Bild eine Tiefenwirkung; mit jedem neuen Blickwinkel tritt eine andere Farbe in den Vordergrund der Wahrnehmung. So entfalten die Bilder eine aussergewöhnliche Dynamik, in der die Linien sich entweder auflösen oder mit anderen zu geschlossenen Farbfeldern verbinden. Es entsteht ein schwebender Eindruck von farbigen Formen und stetigen Farbänderungen, vornehmlich in den ab 2000 entwickelten Arbeiten der Serien «Couleur additive», «Physichromie» und «Chromointerferenzen». Diese unterschiedlichen Effekte erreicht der Künstler beispielsweise durch senkrecht angeordnete Stege, die aus der Bildfläche herausragen, oder durch eine mit einem Streifenmuster versehene, vor das Bild montierte Glasplatte. Die Untersuchungen von Cruz-Diez kulminieren in Räumen, die neben der visuellen Erschliessung und Interaktion auch über akustische und taktile Reize erfahrbar werden.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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18.10.2017
17:00 Uhr MESZ