25.06.2017 · 21:00

Datierung 1982
Objektmasse 76 x 75 x 68 cm
Technik/Material Rostfreier Stahl, Seidenschliff
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers
Inv.-Nr. SK98031
Florin Granwehr

Trinom

Obwohl sich die Arbeit des Plastikers und Zeichners Florin Granwehr (1942, St. Gallen, CH) in einem rationalen System entfaltet, hat sie gemäss seinen Worten nichts gemeinsam mit der Zürcher Schule konkreter Kunst. Trotz dieser Aussage sind sowohl die konstruktive als auch die konkrete Richtung in Granwehrs Verfahren substanziell vertreten. Immer wieder durchbricht der Künstler die strenge Gesetzlichkeit und lässt poetische Momente aufscheinen. Schon früh entwickelte der ausgebildete Gemälde- und Plastikrestaurator Messingplastiken, die der konstruktiven Tendenz verpflichtet sind. Mitte der 1970er Jahre ging Granwehr dazu über, vorfabrizierte Industrieelemente wie Aluminiumprofile, Kunststoffrohre oder Gummi für die Konstruktion von Raumplastiken zu verwenden.
Ab den 1980er Jahren rückten – teils für den öffentlichen Raum entwickelte – Grossplastiken sowie Kunst-am-Bau-Arbeiten in den Vordergrund: so «Axiomat» (1990), beim Gemeinschaftszentrum Zürich-Wollishofen, «Angulon» (1999), im Innenhof des Bezirksgebäudes Zürich oder «Transeunt» (2005), vor dem Personalhochhaus des Kantonsspitals Zürich. Sie sind das Produkt eines vielstufigen Arbeitsprozesses, an dessen Anfang Ideenskizzen und geometrische Zeichnungen stehen. Diese sind meist als Serien angelegt und mit ganz bestimmten Zahlenverhältnissen und -reihen kombiniert. In ihrer Aneinanderreihung scheinen die flächigen geometrischen Figuren ins stereometrisch Räumliche zu kippen, um als Grossplastiken und raumplastische Strukturen realisiert zu werden. Zu jedem monumentalen Werk gehören diverse kleinerformatige plastische Modelle, meist aus weiss bemalten Vierkanthölzern, die jegliche Variationsmöglichkeit durchspielen und zugleich autonome Kunstwerke sind. Phasenweise hat Granwehr sein skulpturales Schaffen unterbrochen, um sich ganz seinem Theorem zu widmen, das er ab 1992 aufwendig und peinlich genau auszuarbeiten begann und im Jahr 2000 lösen konnte. Es ist nach einer harmonikalen Ordnung ausgerichtet, die auf einer neu erfundenen numerischen Grundlage mit der Quotientenreihe aus lauter Einsern fusst: 1, 11, 111, 1111 und so weiter. In Tausenden von Bleistiftzeichnungen kombinierte er diese Zahlen, setzte sie in verschiedenste Konstellationen und verzeichnete von Blatt zu Blatt kleinste Veränderungen. Sein «Granwehrsches Theorem» ist an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst angesiedelt und bildet seither die Grundlage aller seiner Plastiken.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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25.06.2017
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