16.12.2017 · 16:06

Datierung 2006
Objektmasse 1.9 x 18 x 18 cm
Technik/Material Relief, Farbe auf Holz
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Benjamin Kaufmann, Wettswil am Albis
Inv.-Nr. SK13000
Jo Niemeyer

Abstrakte Komposition

Jo Niemeyer (1946, Alf, DE) ist als Künstler durch und durch ein Systematiker, und doch haben seine nach strengen Regeln konzipierten Bilder und Objekte einen engen Bezug zur Natur. Seine Werke sind aus nur wenigen Grundelementen aufgebaut – aus Linie, Quadrat und Rechteck, den Primärfarben Rot, Blau und Gelb sowie den Nichtfarben Schwarz und Weiss – und doch belegen sie immer wieder, welcher Variationsreichtum sich aus einem programmatisch reduzierten Farb- und Formenkanon entfalten lässt.
Im Hinblick auf diesen Kanon steht Niemeyer unverkennbar in der Tradition der frühen Konstruktivisten, insbesondere Piet Mondrians. Sein konsequent mathematisches Vorgehen jedoch rückt ihn weit von jenen ab: Der Goldene Schnitt und die wechselseitig logische Bedingtheit der einzelnen Elemente (teils über mehrere Bilder und Objekte hinweg) bestimmen seine Arbeiten. Und eben hierin, in der Anwendung und Visualisierung eines klassischen Proportionssystems, liegt auch der eben angedeutete Naturbezug.
Zu Erinnerung: Der Goldene Schnitt bezeichnet das Teilungsverhältnis einer Strecke (oder, in der Malerei, einer Fläche). Dabei verhält sich der kürzere Abschnitt zum längeren genau so, wie sich der längere zur gesamten Strecke verhält.
Die Mathematik kennt dieses Prinzip schon seit der Antike, seinen heutigen Namen erhielt es allerdings erst im 19. Jahrhundert. Einerseits ein mathematisches Konstrukt, ist der Goldene Schnitt andererseits ein in der Natur nachweisbares Phänomen: Es kommt in Wachstumsmustern bei Pflanze, Tier und Mensch vor – und ist nicht nur in dieser Hinsicht einer weiteren mathematischen Herleitung verwandt: der Fibonacci-Folge. Sie wiederum ergibt sich Schritt um Schritt aus der Summe jeweils zweier aufeinanderfolgender Zahlen (1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 usw.). Grafisch übersetzt in eine Flächenaufteilung, bildet sie eine Spirale aus – und auch dieses Bildmotiv taucht in Niemeyers Œuvre immer wieder auf.
Goldener Schnitt und Fibonacci-Folge stehen für harmonische Proportionen, für ein ästhetisches Prinzip von Gleichheit und Einheit. Die Systematik, der sich Niemeyer seit den frühen 1970er-Jahren verschrieben hat, ist also keineswegs Selbstzweck, sondern die Grundlage seiner wohlponderierten Kompositionen, von denen sich inzwischen viele in bedeutenden Sammlungen befinden, beispielsweise im Mondriaanhuis in Amersfoort, NL.

Britta Schröder




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16.12.2017
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