25.06.2017 · 21:00

Datierung 1980/83
Bildmasse 60.5 x 40.5 cm
Technik/Material Acryl auf Leinwand
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr. SK08024
Manfred Mohr

P-332

Manfred Mohr (1938 Pforzheim, DE), der nach einer Goldschmiedelehre die Kunst und Werkschule in Pforzheim besuchte, darf als massgeblicher Wegbereiter der digitalen Kunst gewertet werden. Er setzte das Medium Computer als Mittel zum Zweck auch gegen Widerstände künstlerisch konsequent ein und trug so dazu bei, dass die Computerkunst heute einen legitimen Platz im Kunstdiskurs einnimmt. Mohr erörtert den Kubus, sein Hauptmotiv, auf überraschende Weise, indem er ihn raumillusionistisch, aber fragmentiert zeichnet. Neben seiner Arbeit als bildender Künstler ist Mohr als Jazzmusiker tätig. Wenn er über Geometrie spricht, dann beschreibt er immer auch den Klang im Raum – und wie ein sichtbares Gleichgewicht von Linien klingt.
Max Benses Schriften über die Informationsästhetik haben Mohrs künstlerisches Selbstverständnis seit den 1960er Jahren vehement verändert. Von seinen ersten informellen Malereien ausgehend, entwickelt Mohr ab 1962 eine eigene Sprache in Schwarz-Weiss. Er kreiert komplexe Zeichen und kombiniert geometrische Grundformen mit Elementen aus der alltäglichen Wahrnehmung. 1969 entstehen seine ersten computergenerierten Plotterzeichnungen auf der Basis von Algorithmen. Der Computer mit seiner perfekten Rechenleistung und Berechenbarkeit wird Mohrs Programmierung fortan dienen. Es sind nun weniger Zeichenfindungen als vielmehr Fragen der Räumlichkeit, so der zweidimensionalen Darstellung von Kuben, denen der Künstler bis ins Spätwerk nachgeht. Aus der systematischen Beschäftigung mit Abstraktionen dieses Gebildes gehen vierzehn Serien hervor. Die sechsteilige Arbeit «Cubic limit II (P-202)» ist exemplarisch: Sie zeigt Linienkonfigurationen auf weissem Grund, die den jeweils gedrehten Kubuskörper fragmentarisch andeuten.
Seit 2002 fliessen die singulären Kubusanalysen in Mohrs Bildschirmarbeiten zu bewegten Bildern zusammen. Manfred Mohr legt die Anfangsparameter fest, bindet jedoch auch den Zufall in die Programmierung ein. Mit seinem Werk hebt er die Trennung von Künstler und Technik auf und führt die Idee eines Künstlergenies mit individueller Geste ad absurdum.

Ursula Meier




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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25.06.2017
21:00 Uhr MESZ