18.10.2017 · 17:05

Datierung 2007
Blattmasse 108 x 67 cm
Technik/Material Lithografie auf Zerkall-Büttenpapier, rau, 300 g/m2, 7 Farben, 5 Druckgänge, gedruckt ab 2 Platten auf einer Steindruckschnellpresse
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung des Künstlers
Inv.-Nr. SK07006
Wade Guyton

Ohne Titel

Während die Printmedien über ihre Krise klagen, feiert der amerikanische Konzeptkünstler Wade Guyton (1972, Hammond, USA) mit diesem Medium beachtliche Erfolge. Guytons Prints sind Bilder, die ohne die Hand des Künstlers entstehen, denn er benutzt keine Pinsel, sondern Drucker, Adobe Photoshop, Bitmap-Dateien und Scanner. Aus Magazinen, Katalogen und Büchern trennt er ausgewählte Seiten heraus, analysiert und bearbeitet sie. Anschliessend scannt er sie ein und programmiert am Computer, wie der Drucker seine Farbe darauf verteilen soll, was lesbar bleibt und was von Farbe bedeckt oder gar unkenntlich gemacht wird, und schliesslich zwängt er Leinwände durch riesige Printer. Dabei kommt es verständlicherweise zu Fehlern in der Ausführung der Farbbereiche, zu Verschmutzungen, zu Spuren von Verletzungen und zu anderen digitalen Störmomenten. Es entstehen meist monochrom gedruckte Bilder und Anordnungen von Streifen, Linien und Punkten sowie andere abstrakte Konfigurationen, deren Oberflächen eine reizvolle haptische Qualität besitzen. Auf diese Weise hat Wade Guyton den Akt des Malens neu erfunden, zumal er mit seiner ganz eigenen Methode der Bildproduktion dort anknüpfte, wo die Vertreter der Appropriation Art (die sich bereits existierendes ästhetisches Material aneignet und es manipuliert) aufgehört hatten. Zweifellos kommt die Herstellungsart abenteuerlich daher, ihre Resultate indessen sind von grosser Klarheit. Mag es Guyton auch um die Huldigung an die effizienzsteigernde maschinelle Produktionsweise respektive den mathematischen Beitrag des malenden Subjekts im diffusen Gebiet zwischen Malerei und Druckverfahren einerseits, Computer und Printer andererseits gehen: In der Bildsprache und der Gestaltung rekurriert er auf vertraute Strategien der Moderne, des Minimalismus und des Postminimalismus. Seine wandlangen, meterhohen Bilder erinnern aus der Entfernung an Kenneth Noland, Ad Reinhardt oder Joseph Marioni und formal an die abstrakten Proportionsspiele der Minimal Art.
Durch ihre pure Grösse lassen sich die Prints nicht mehr eindeutig als solche identifizieren, wirken sie doch eher wie Impulse zur Raumerschliessung insofern, als sie zu reinen Raumerlebnissen einladen.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



Museum Haus Konstruktiv · Selnaustrasse 25 · 8001 Zürich · +41 (0)44 217 70 80 · info@hauskonstruktiv.ch
© 2017 Museum Haus Konstruktiv. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
18.10.2017
17:00 Uhr MESZ