17.12.2017 · 07:25

Datierung 1967
Bildmasse 197 x 139 cm
Technik/Material Siebdruck auf Plastikfolie
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr. SK08215
Thomas Bayrle

Milchkaffee

In den vergangenen Jahren ist Thomas Bayrle (1937, Berlin, DE) zu einem Trendsetter der internationalen Kunst geworden. Sein Markenzeichen sind zigtausendmal vervielfältigte Motive – beispielsweise Autos, Flugzeuge oder Autobahnstücke –, die zu einem neuen Riesenbild, einer «Superform» zusammengesetzt sind. So hat er an der documenta 13 (2012) eine riesige Halle mit einem raumhohen, frisch und spielerisch wirkenden Flugzeugbild ausgestattet, das wiederum aus vielen kleinen Flugzeugbildern geformt ist.
Die Kunst von Bayrle hat ihren Ursprung in der Pop Art der 1960er-Jahre. Geprägt ist sein Schaffen von seiner Ausbildung als Weber, Drucker und Grafiker. Seine Motive entnimmt er der Alltagskultur, der Konsumwelt, den Massenmedien und der Werbung.
Die Warenwelt reflektiert Bayrle als Anhäufung von multiplizierbaren Formen und Piktogrammen. Im seriellen Prinzip, aber auch im Verhältnis von Binnen- zu Aussenform knüpft Bayrle an seine frühere Beschäftigung als Textilweber an. In der «Superform» reflektiert der politisch interessierte Künstler die Spannung zwischen dem Einzelnen und dem Kollektiv respektive der Massengesellschaft, und Bayrle findet in Massenornamenten eine ästhetische Formel für das Aufgehen des Einzelnen in der Gesellschaft. So wird die «Superform» entweder als Objekt, als rasterartiger, intensivfarbiger Siebdruck oder als Offset-Grafik zusammengestellt. Die Containerform besteht dabei häufig aus identischen Minimotiven (zum Beispiel ein Kamel aus Kamelen).
Schon früh nutzte Bayrle die technischen Möglichkeiten des Computers und der Computeranimation. In den 1990er-Jahren wandte er sich auch verstärkt dem Video zu. Seine aufwendigen Videoarbeiten entstanden zunächst per Hand, später als Computeranimationen. Diese basieren auf Zeichnungen und beziehen sich erneut auf ganz alltägliche Bildsujets oder Tätigkeiten.
Durch die Arbeit mit seriell wiederkehrenden Mustern und Symbolen in Collagen, Zeichnungen, Filmen und Skulpturen hat Bayrle einen konsequenten Stil entwickelt, in dem aus Strukturen Formen werden und aus diesen wiederum Bilder und Ideen. Dieser Kreislauf ist umkehrbar und hat nichts Geringeres als das grosse Ganze zum Thema. Jedenfalls bietet das Werk eine klare Sicht auf die wesentlichen Fragen unserer Zeit.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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17.12.2017
07:15 Uhr MEZ