19.08.2017 · 07:38

Datierung 2014
Objektmasse 120 x 81 x 7 cm
Technik/Material Plastik, Solarzellen, Draht, LED, Kupferband
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Ankauf ermöglicht durch den Club Fonds Konkret
Inv.-Nr. SK15003
Haroon Mirza

Solar Cell Circuit 3

Elektrizität, Sound und Licht sind drei zentrale Komponenten in den Arbeiten von Haroon Mirza (1977, London, UK). Aus der Einbindung dieser Immaterialitäten in eine greifbare, uns wohlvertraute Objektwelt aus Möbeln und anderen Gebrauchsgegenständen kreiert er atmosphärisch aufgeladene Installationen und Wandarbeiten, aber auch Videos und Performances. Häufig sind darin Referenzen an die Kunst- und Musikgeschichte enthalten, an den Minimalismus etwa, an die kinetische Kunst der 1960er Jahre oder an Werke von Edgar Varèse und Karlheinz Stockhausen.
Mirza selbst gleicht in seiner Arbeit einem Komponisten und Regisseur, der die spezifische Architektur des Ausstellungsraumes als Bühne dafür nutzt, Klänge, Geräusche, Rhythmen, Licht und Material wie in einer Techno-Oper zu inszenieren. Diese konzeptuelle Einbeziehung des Umraumes bildet ein weiteres Charakteristikum seines Schaffens. Alle verwendeten Elemente sind exakt aufeinander abgestimmt, sie interferieren und balancieren einander aus: Zum Beispiel, wenn der Künstler Solarzellen auf Objets trouvés anbringt – auf alten Fensterrahmen, einem Spiegel oder einer Malerpalette – und sie mit LED-Lichtleisten verkabelt. Abhängig von den Lichtverhältnissen im Raum lassen die Solarzellen die LEDs stark oder schwach aufleuchten und teils auch ihre Lichtfarbe verändern. «Solar Cell Circuit 3» ist eine dieser Arbeiten, entstanden im Rahmen der Werkgruppe, die Mirza für seine Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv 2014 entwickelt hat. Die Ausstellung war ihrerseits Bestandteil des vom Museum und der Zurich Insurance Group an ihn verliehenen «Zurich Art Prize».
Da Mirza sich wunderbar darauf versteht, in seine Kompositionen aus moderner Technologie und Readymade, aus Objekt und Phänomen, Stabilität und Flüchtigkeit ironische Kommentare auf den Kunstbetrieb einzuflechten, erscheint zumindest denkbar, dass auch die «Solar Cell Circuits» eine solche Anspielung enthalten: auf den stetigen Zuwachs an Kunstpreisen, die (wie das Licht in die Solarzellen) in den Wertekreislauf einfliessen und ihn (bzw. die Kunstschaffenden) mehr oder weniger ergiebig speisen. Obwohl – oder vielleicht gerade weil – Mirza sich inzwischen längst etabliert hat und von grossen Häusern eingeladen wird, hat er sich eine kritische Distanz zu den Mechanismen und der Sprache des Kunstmarktes bewahrt. Dies zeigt beispielhaft sein Video «Mera Naam Hai»: ein gefaktes Künstlerinterview, das spielerisch seziert, was das Reden über Kunst mitunter auch sein kann: heisse Luft und weisses Rauschen.

Britta Schröder




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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19.08.2017
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