20.08.2017 · 06:02

Datierung 2014
Objektmasse 27 x 17 x 31.5 cm (dreidimensionales Stillleben)
Blattmasse 118 x 121.2 cm (Scherenschnitt hinter Glas)
Technik/Material Papier, Klebeband, Scherenschnitt
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Ankauf ermöglicht durch das Legat von Elisabeth Lauener
Inv.-Nr. SK16000
Attila Csörgő

Peeled Still Life III

Der ungarische Objektkünstler Attila Csörgő (1965, Budapest, HU) untersucht mit fotografischen, skulpturalen und zeichnerischen Arbeiten die Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft. Oftmals beschäftigt er sich über Monate hinweg mit naturwissenschaftlichen und technologischen Fragen, mit Problemen aus der Physik oder der projektiven Geometrie; er baut ausgeklügelte Vorrichtungen, um optische oder geometrische Phänomene zu visualisieren und erfindet Sehmaschinen, die das menschliche Sehspektrum erweitern. Seine aus einfachen Mitteln konstruierten Apparate zeichnen Lichtspuren auf, die unter herkömmlichen Bedingungen für das menschliche Auge kaum oder gar nicht wahrnehmbar sind.
Eindrucksvoll sind auch die Kameras, die Csörgő ersonnen hat. Mithilfe rotierender Linsen bilden sie das gesamte Umfeld auf einer Halbkugel ab. Von einem zentralen Punkt aus wird ein Raum in alle Richtungen festgehalten, sodass dieser Innenraum auf der Oberfläche eines kugelförmigen Fotos von aussen einsehbar ist. Das Interesse des Künstlers für optische Täuschungen, bei denen sich Licht und Bewegung in überraschenden physikalischen Phänomenen verbinden, hat ihn zur Entwicklung hypnotisch-verzaubernder Lichtspiele geführt. Zum Beispiel beleuchtet er ein laufendes Rad mit Lochscheiben so, dass es sich in alle Richtungen gleichzeitig zu drehen scheint, oder er lässt kleine Lampen schnell kreisen und erzeugt damit den Eindruck dreidimensionaler Leuchtkörper.
Aufsehen erregen die selbstgebastelten Apparaturen, mit denen Csörgő zeigt, wie sich räumliche Objekte ineinander verwandeln lassen. Seine Arbeit «Platonic Love» handelt von der Metamorphose platonischer Körper. Ein Dickicht von motorbetriebenen Seilwinden und Gewichten verschiebt kleine Stäbe, die sich in einer Endlosschleife aus einem Kubus, einem Tetraeder und einem Oktaeder zu einem Dodekaeder zusammenfügen. Aus platonischen Körpern aufgebaut sind auch die Objekte in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv. Sie kommen als klassisch anmutende Stillleben daher und sind mal dreidimensional arrangiert, mal zweidimensional aufgefaltet. Sie veranschaulichen, dass Mathematik und Geometrie dem Künstler einen riesigen Vorrat an Ideen und Themen, aber auch Anlass zu ernsthaften philosophischen Fragestellungen bieten. Mithilfe der verschiedenen Objekte, der Illusionen und der virtuellen Formen, die seine aussergewöhnlichen Maschinen hervorbringen, beleuchtet Csörgő auf oft humorvolle Weise tieferliegende Wirklichkeiten.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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20.08.2017
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