21.10.2017 · 12:29

Datierung 1992
Objektmasse 40 x 160 x 295 cm
Technik/Material Flugzeugsperrholz, Spachtelmasse
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Ankauf ermöglicht durch das Legat von Elisabeth Lauener
Inv.-Nr. SK16018
Jürg Stäuble

Ohne Titel

Schlaufe aus Ellipsensegmenten I
Die Arbeiten von Jürg Stäuble (1948, Wohlen, CH) — Zeichnungen und Skulpturen, künstlerische Interventionen am Bau — sind auf dem Humus von Minimal Art und Konzeptkunst gewachsen. Sie beruhen auf Ordnungssystemen wie der Reihung, Verschiebung, Schichtung und Durchdringung, der Sechseck- oder Kreisrasterstruktur und folgen präzisen Spielregeln. Der Künstler variiert sie vielfach und schafft «komplexe, organisch oder amorph wirkende Volumen, netzartige Gebilde oder Flächen» (Preisverleihung 2015 des BSA an Jürg Stäuble).
Seit den 1970er Jahren befasst sich Jürg Stäuble eingehend mit Fragen des Raumes, so dem «Verhältnis zwischen rationaler Konstruktion und irrationaler Erscheinungsweise» (ebd.). Er bringt die Qualitäten des von ihm verwendeten, häufig industriell produzierten Materials in eine Formalisierung, die den Eigenschaften dieses Materials gänzlich zuwiderläuft. Bestanden die früheren Werke aus hartem Material wie Eisenblech und Stahl, dessen Bändigung eine ungeheure Kraftanwendung erforderte, so tritt dieser Aspekt seit einiger Zeit in den Hintergrund zugunsten einer Lego-artigen Zusammenfügung von Einzelelementen. Denn die jetzt verwendeten spröden, brüchigen Werkstoffe, darunter Styropor und Sperrholz, würden unter Krafteinwirkung gleich zerbrechen. Der Gegensatz zwischen sperrigem Material und nach Bewegung drängender Form versetzt die Skulpturen in eine Spannung, die noch verstärkt wird durch die umfassende Oberflächenbehandlung. Die Formen und Liniengebilde scheinen in Schwüngen zu pulsieren und wirken offen und raumdurchlässig, etwa die «Schlaufe aus Ellipsensegmenten» von 1992. Ihr liegt ein mathematisches Konstruktionsprinzip zugrunde, das zuerst in Zeichnungen angelegt wurde. Doch die vordergründige geometrische Klarheit wird mittels kalkulierter Irritationen unterlaufen, zumal es keinen festen Standpunkt gibt, von dem aus die Skulptur schlüssig wahrnehmbar wäre; vielmehr verändert sich ihre Struktur laufend je nach Standort des Betrachtenden. Damit verwandelt sich die Rationalität der Objektkonzeption in die Irrationalität des Ephemeren. Diese Uneindeutigkeiten sind das Elixier, das die Arbeiten Stäubles vor der Starre eines strikt formalistischen Ansatzes bewahrt und sie dem Fluss der Lebensdynamik preisgibt.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wird finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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21.10.2017
12:15 Uhr MESZ