24.10.2018 · 01:36

Nelly Rudin
Open Space

Mit der umfangreichen Retro­spektive «Open Space» der Zürcher Malerin und Plastikerin Nelly    Rudin wird im ausklingenden Jubiläumsjahr des Museums Haus Konstruktiv eine wichtige Vertreterin der Nachfolgegeneration der Zürcher Konkreten gewürdigt. Die Einzelausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstanden ist, dokumentiert das Schaffen Rudins ab Mitte der 1960er Jahre bis heute. Neben den Leihgaben der Künstlerin sind auch zentrale Werke Rudins aus privaten und öffentlichen Sammlungen zu sehen. Die Ausstellung, die sich auf drei Stockwerken ausdehnt, präsentiert eine Auswahl ihrer Bildobjekte sowie ihrer Aluminium- und Acrylglasobjekte – und schlägt den Bogen zu einer erstmals realisierten begehbaren Rauminstallation, die die grosse Ausstellungshalle in ein offenes Bild verwandelt. Die Retrospektive von Nelly Rudin wird von einer umfangreichen Ausstellungspublikation begleitet.

Nelly-Rudin-Open Space,Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger
Nelly-Rudin-Open Space,Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger

Nelly Rudin, 1928 in Basel geboren, arbeitete nach ihrer Ausbildung an der Basler Kunstgewerbeschule (1947–1950) für diverse Grafik- und Werbeateliers in Basel und Zürich. 1953 erfolgte ihr Umzug nach Zürich. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Zürcher Künstler Max Bill, Richard Paul Lohse, Verena Loewensberg und Camille Graeser längst als Schrittmacher einer logischrationalen Formsprache etabliert, die das Erbe der europäischen Avantgarde aus den 1910er und 20er Jahren würdig – und mit internationalem Renommee – weiterentwickelten.
Die Entscheidung darüber, was in der Kunst das Wesentliche sei, lässt sich im Zürich der 1950er und 60er Jahre kaum unabhängig von den Aktivitäten der Zürcher Konkreten denken. Dreh- und Angelpunkt ihrer Zielsetzungen war die Autonomie der Kunst, verstanden als deren Potenzial, die Wirklichkeit aktiv zu ge-stalten anstatt sie nachahmend wiederzugeben. Eine nachvollziehbare, teils mathematisch fundierte Herangehensweise, eine in strukturellen Werkordnungen zum Ausdruck gebrachte anti-hierarchische Grundhaltung, die Einbeziehung des Betrachters in das Werkkonzept und die Wahrnehmung der künstlerischen Mittel als das, was sie sind – nämlich: Linie, Fläche, Form, Farbe, Licht, Material und Raum – standen im Vordergrund.
Nelly Rudin sollte noch bis 1964 warten, bevor sie den Schritt wagte und eigene Bilder malte. 1968 stellt sie ihre Gemälde erstmals aus, in der Galerie 58 in Rapperswil, und erntet begeisterte Reaktionen. Auch ihre druckgrafischen Arbeiten wecken das Interesse der Kunstszene, und bald zählt man sie – ihres systematischen Ansatzes, ihrer Variationsfreude und ihrer luziden geometrischen Bildordnungen wegen – zur Nachfolgegeneration der so genannten «Zürcher Konkreten» (Loewensberg, Bill, Graeser, Lohse); Max Bill ist ihr Mentor. Dass sie sich trotz dieser gewiss schmeichelhaften Aufnahme ihre Unabhängigkeit bewahrt hat und mit bemerkenswerter Stringenz ihren eigenen Ideenpfaden folgte, zeigt sich 1976 besonders deutlich: Rudin verlegt ihre Kompositionen auf Aluminiumrahmen und tauscht damit die Bildfläche gegen die Wandfläche hinter dem Rahmen aus. «Die Rahmenobjekte», erklärt sie, «erlauben mir, das Bildhafte von der Fläche (Wand) in den Raum zu transportieren (dort, wo sonst Bild ‹stattfindet›, ist Leere, und umgekehrt ist dort, wo der Rahmen ist, Bild). Was gewöhnlich Randzone ist, wird zum eigentlichen Bild.» Dieses Konzept setzt sich auch in der Serie der seitlich bemalten Bildobjekte fort, an der die Künstlerin bis heute arbeitet.

Ihr gelingt damit ein intelligentes, sinnliches Spiel, in dem das Bild eine räumliche Dimension gewinnt und zum Bildkörper wird, die Fläche dennoch erhalten bleibt.
Leerstellen, Freiräume, Durchsichten spielen auch in den freistehenden Arbeiten Nelly Rudins eine wichtige Rolle. Seit 1981 bildet die Werkgruppe der Acrylglasobjekte ein variantenreiches Aktionsfeld. Auch hier richtet sich der Fokus auf die farbig hervorgehobenen Objektränder und -kanten. Sie verleihen den transparenten Konstruktionen eine intensive Strahlkraft, als seien sie selbstleuchtend. Wie die Wandarbeiten regen sie die Betrachterinnen und Betrachter dazu an, verschiedene Blickwinkel einzunehmen.

Trailer zur Ausstellung >>>



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24.10.2018
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