24.10.2018 · 00:40

Visionäre Sammlung Vol.16:
Die zürcher Konkreten

Es gibt nur wenige Städte, die mit Recht von sich behaupten können, die Wiege einer massgeblichen Kunstbewegung zu sein. Zürich darf dies sogar zweifach für sich beanspruchen: Hier wurde 1916 DADA gegründet, und hier hat sich ab den 1930er Jahren die Kerngruppe der «Zürcher Konkreten» etabliert. Deren Themen sind bis heute lebendig, sie strahlen weiterhin in die ganze Welt hinaus und inspirieren junge Kunstschaffende, Architekten und Designer. Elementare künstlerische Themen sind zeitlos aktuell!
Das Museum Haus Konstruktiv verdankt seine Gründung engagierten Persönlichkeiten aus dem Umfeld der international renommierten Zürcher Bewegung der konstruktiven und konkreten Kunst. Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums realisiert Haus Konstruktiv eine Hommage an die Kerngruppe der «Zürcher Konkreten» – Verena Loewensberg (1912–1986), Max Bill (1908–1994), Camille Graeser (1892–1980) und Richard Paul Lohse (1902–1988).
Ihre Werke werden in Beziehung gesetzt zu Arbeiten von Fritz Glarner und Hans Hinterreiter, zwei weiteren wichtigen Vertretern der ersten Generation Schweizer konkreter Künstler. Zudem erlaubt die Präsentation zeitgenössischer Positionen – von Saâdane Afif (*1970), Daniele Buetti (*1955), Bruno Jakob (1954), Jonathan Monk (1969), Kilian Rüthemann (1979) und Shirana Shahbazi (*1974) – einen hochspannenden Blick auf generationenübergreifende, formale und inhaltliche Gemeinsamkeiten.

Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger
Ausstellungsansicht, Museum Haus Konstruktiv, 2011, Foto: Stefan Altenburger

Max Bill, Camille Graeser, Verena Loewensberg, Richard Paul Lohse: Unter dem Titel «Die phantastischen Vier – Zürich konkret & Special Friends» zeigt Haus Konstruktiv massgebliche Werke dieser wegweisenden Künstlerpersönlichkeiten. Es sind Werke, die von zeitloser Frische geprägt sind und einmal mehr dokumentieren, wieviel innovatives Potenzial in diesen künstlerischen Haltungen steckt. Integriert ist zudem eine exemplarische Auswahl der von Max Bill und Camille Graeser entworfenen Möbel und Gebrauchsobjekte, anhand derer wiederum deutlich wird, wie unmittelbar und konsequent ihr künstlerischer Ansatz auch auf die Gestaltung unserer alltäglichen Welt angewendet werden kann.
Darüber hinaus wird eine modellhafte Realisierung der Skizze zum Kunst-am-Bau-Projekt von Camille Graeser präsentiert: Eine Skizze des Künstlers aus dem Jahr 1964 zeigt eine Hotellobby mit dem Entwurf eines eigens für diesen Raum geplanten Bildes, Haus Konstruktiv stellt diesen Gemäldeentwurf in der projektierten Grösse vor. Reizvoll ist dabei für das Publikum, dass das gleiche Bild in einer leicht abgewandelten, kleineren Variante zur Sammlung des Haus Konstruktiv zählt und in der Ausstellung direkt verglichen werden kann.

Die Zürcher Konkreten vertraten mit ihrem Schaffen ein Kunstverständnis, das nicht zuletzt von einer zutiefst demokratischen Grundhaltung geprägt war, von einer anti-hierarchischen Sicht auf die Welt und von der Überzeugung, dass Kunst eine Möglichkeit bieten kann, Wahrnehmung und Bewusstsein zu schärfen. Der Ansatz, Kunst und Leben enger miteinander zu verbinden, fand zudem in gestalterischen Arbeiten (Typografie, Design, Architektur) einen Ausdruck.
Ihre Pionierleistung bestand darin, dass sie die Grundlagen der Kunst selbst zum Thema ihrer Kunst erklärten. Sie untersuchten Farben, Formen und Materialien, studierten Proportionen, erforschten Strukturen und beleuchteten die gesellschaftliche Relevanz von Kunst. Die «Grundlagenforschung», die sie damit in Gang gesetzt haben, hat sich längst noch nicht erschöpft. Reduktion, Geometrie, Systeme, Strukturen und die kritische Analyse der Rahmenbedingungen, in denen Kunst entsteht oder gesehen wird, stehen auch heute mehr denn je im Fokus der Kunstproduktion. Zahlreiche  Künstlerinnen und Künstler weltweit beschäftigen sich derzeit mit reduktionistisch geprägten Fragestellungen.

Aktuelle Positionen: Aus diesem Grund setzen wir die Werke der Zürcher Konkreten in Beziehung zu zeitgenössischen Arbeiten von Saâdane Afif (*1970), Daniele Buetti (*1955), Bruno Jakob (1954), Jonathan Monk (1969), Kilian Rüthemann (1979) und Shirana Shahbazi (*1974) Es sind Arbeiten, die aufs Vortrefflichste deutlich machen, wie eine jüngere Generation einen Formen- und Themenkanon aufgreift, ihn weiterdenkt, verändert und damit auch neu positioniert.



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24.10.2018
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