20.10.2018 · 21:53

Datierung 1968/69
Objektmasse 3 Teile, je 41 x 162 x 80 cm
Technik/Material Formica mit Kunstfell, Acrylglas, Metall und Vinyl
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus: Das Progressive Museum Basel
Inv.-Nr. SK03032
Markus Raetz

3 Hütten

Die Bodenarbeit «3 Hütten» von 1968/69 ist ein charakteristisches Beispiel aus der Pop Art-Periode des Künstlers Markus Raetz (1941, Büren an der Aare, CH). Eher für die poetische Umsetzung von Wahrnehmungsphänomenen wie z. B. der Anamorphose bekannt, gilt er als einer der bedeutendsten Vertreter dieser Richtung in der Schweiz. Raetz hatte sich nach zweijähriger Tätigkeit als Primarlehrer 1963 für die freie Kunst entschieden und war nach Bern umgezogen, wo er auf eine aufgeschlossene, international vernetzte Kunstszene traf. Harald Szeemann, ab 1961 Direktor der Kunsthalle Bern, hatte das Haus mit Ausstellungen über die internationale Avantgarde zu einem Hotspot zeitgenössischer Tendenzen gemacht. Sein offenes Kunstverständnis weckte bei den jungen Schweizer Künstlern, so auch bei Raetz, die Lust am Experiment. Um 1965 begann sich Raetz mit weiss bemalten, aus Holzlamellen zusammengesetzten Reliefs und Objekten zu beschäftigen, in denen sich rein geometrische Formen mit Pop Art-Elementen vermischen. Szeemann nahm die Arbeiten 1966 in die Ausstellung «Weiss in Weiss» in der Kunsthalle Bern auf; Felix Baumann zeigte sie 1968 in «Wege und Experimente. 30 Schweizer Künstler» im Kunsthaus Zürich. 1968/1969 schuf Raetz eine Werkgruppe von geometrischen Objekten aus Gummi und Eisen, die weniger der Pop Art als der Konzeptkunst nahestehen. Der Kunsthistoriker Dieter Koepplin hatte die Arbeiten 1969 in Szeemanns programmatischer Ausstellung «Live in Your Head: When Attitudes Become Form» gesehen und sie als von «schmeichelhafter Sanftheit und Ironie» und gleichsam in einen «Schlafzustand eingebunden» beschrieben. Ein Hauch dieser Anmutung scheint in den «3 Hütten» nachzuwirken, auch wenn diese nun eindeutig der Pop Art zugehören. Die gewellte Form und die Materialien Kunstfell, Plexiglas und Vinyl mögen zunächst als pure Anspielung auf den in Mode und Design vorherrschenden Zeitgeschmack verstanden werden. Doch führt das Dreigespann, in Form und Grösse, nicht aber in der Farbe und Materialität identisch, vor allem eines, nämlich die grundlegende Thematik des Künstlers vor Augen: wie solche Effekte unsere Wahrnehmung zu beeinflussen vermögen.

Elisabeth Grossmann




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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20.10.2018
21:45 Uhr MESZ