20.10.2018 · 21:37

Datierung 2015
Blattmasse 64 x 100.4 cm
Technik/Material Giclée-Druck auf Papier
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Anlauf ermöglicht durch Club Fonds Konkret
Inv.-Nr. SK16024
Sadie Murdoch

Immprrecision Optics

Sadie Murdoch (* 1965, Hexham, GB, lebt in London, GB) ist neben ihrer künstlerischen Arbeit Dozentin am Goldsmiths College in London. Diese Tätigkeit schlägt sich auch in ihrem Werk nieder, das danach fragt, auf welche Weise die Kunstgeschichtsschreibung geprägt wird. Dabei setzt sich Murdoch vornehmlich mit den Pionierinnen der Moderne auseinander, indem sie auf den Mangel von Frauen insbesondere in der gängigen historischen Herleitung von Dadaismus und Surrealismus verweist. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf fotografische Archive, decodiert das Material und setzt es nach feministischen Kriterien wieder neu zusammen. Sadie Murdoch schlüpft in die Rolle verschiedener, beinahe vergessener Heldinnen der Moderne und hält deren Posen in nachgestellten Aufnahmen, bald in Schwarz-Weiss-, bald in Farbfotografien, fest. Sie kombiniert Fragmente von Aufnahmen ihres eigenen Körpers mit Fragmenten der historischen Bildvorlagen etwa von Elsa von Freytag-Loringhoven oder Josephine Baker. Murdochs künstlerischer Aneignungsprozess ist eine buchstäblich körperliche Inbesitznahme der historischen Werke. Die gedruckten und in ihrer Grösse adaptierten Reproduktionen der Vorbilder werden dabei so beschnitten, dass die abgelichteten Körperteile der Künstlerin eine kompositorische Verbindung mit der jeweiligen Archivaufnahme eingehen. Sie inszeniert die Aufnahmen neu, färbt ihre Haut in den entsprechenden Grauwerten ein und setzt ihren Körper als Teil der Collagen ein.
Für die in der Sammlung des Haus Konstruktiv befindliche Collage «Immprrecision Optics» griff Sadie Murdoch auf Fotografien der von Marcel Duchamp und Man Ray entwickelten «Rotoreliefs» von 1926 und der von Sophie Taeuber-Arp gestalteten «Bar Aubette» von 1927/1928 zurück.
Anhand dieser Auseinandersetzung mit Archivmaterial untersucht Murdoch, wie die Rezeption der Moderne konstruiert wird. Sie beschreibt ihren Arbeitsprozess als «inhabiting», als ein «Bewohnen», oder eine «Inbesitznahme» des Archivs. Die ausgewählten Szenen und Posen imitiert sie nicht eins zu eins, sondern fügt minimale Abweichungen und Manipulationen ein, sodass Realität und Fiktion, Malerei und historische Fotografie miteinander verschmelzen.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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20.10.2018
21:30 Uhr MESZ