24.10.2018 · 00:42

Datierung 2008 - 2009
Objektmasse 11 x 13 x 12.5 cm
Technik/Material Ton, teilweise bemalt
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Künstlerin
Inv.-Nr. SK09000
Joanne Greenbaum

Ohne Titel

Jahresgabe der Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst, 2008
Wild, emotional und von einer leuchtend visuellen Präsenz sind die Malereien von Joanne Greenbaum (1953, New York, USA). Die architektonisch-geometrischen Liniengebilde und treppen- bzw. strassenähnlichen Konstruktionen erinnern vornehmlich an Baupläne oder Luftaufnahmen von Städten oder Landschaften, an Muster urbaner Anordnungen. Die Künstlerin verbindet kühle Systematik mit Expressivität sowie mit rein formalen, spielerischen und metaphysischen Elementen, und sie vereint strenge Konstruktionen oder Zahlen mit organischen Formen und ausdrucksstarker Farbgewalt. In Greenbaums Farben- und Formenwelten scheinen Zitate aus der Kunstgeschichte auf: Reminiszenzen an die russische Avantgarde etwa, an die kubistisch-abstrakte Malerei, die amerikanische Abstraktion oder die Ästhetik von Comics. Die Künstlerin nutzt dieses Repertoire, um daraus eine unverwechselbare malerische Sprache zu bilden.
Zu Beginn ihres künstlerischen Schaffens hielt Joanne Greenbaum einzelne Objekte oder Strukturen fest und entwickelte verschiedene Arbeiten zu einem einzigen Motiv. Nach und nach wurde der Malstil expressiver und energetischer. In den 1990er-Jahren versuchte die Künstlerin, sich von Traditionen und Stereotypen zu distanzieren; sie erweiterte die Sprache der Abstraktion und des Minimalismus, um Ende der 1990er- Jahre zu mal skurrilen, mal minimalistischen Kompositionen zu finden, die auf wenige Elemente verknappt sind. Um 2000 treten «schwere», oft als Skulpturen lesbare Elemente auf. Diese zwischen Zwei- und Dreidimensionalität oszillierenden Formationen lassen an konstruktivistische Plastiken denken, denen hier etwas Surreales anhaftet. Seit 2003 entstehen auch Tonskulpturen mit geschwungenen Formen und Sockeln, die im Kontext des malerischen Werks stehen.
Über die Jahre hinweg hat Joanne Greenbaum einen eigenen Formen- und Farbenkanon in einem nervösen, auf zeichnerischen Elementen basierenden Malstil entwickelt, der sich vor allem in den Werken von 2006/2007 in einer ebenso verwirrenden wie vitalen Assoziationsvielfalt artikuliert. Die Arbeiten sind dicht und gehaltvoll. Sie zeigen eine zunehmende Komplexität und stärkere Verdichtung, indem mehrere abstrakt-anekdotische Ebenen und malerische Schichten mit geometrischen Strukturen und Zahlen von geschwungenen Formen oder expressiv gesetzten Flächen in ungleichen Pinselstärken überlagert sind. Der Bildraum dehnt sich so perspektivisch in die Tiefe, und die verschachtelten Kompositionen speisen sich aus einer eigenen Enzyklopädie aller Greenbaum’schen Elemente.

Dominique von Burg




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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24.10.2018
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