20.10.2018 · 21:54

Datierung 1964
Objektmasse 50 x 100 x 8 cm (aufgeklappt)
Technik/Material 2-teiliger Spiegel auf Holz mit diversen montierten Gegenständen
Nennung Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr. SK08101
Daniel Spoerri

Multiplicateur d'art

Edition MAT
Kunst ins Leben! – Dieses Schlagwort der 1960er-Jahre steht als Motto über dem gesamten Œuvre von Daniel Spoerri (1930, Galati, RO). Der Sohn eines Rumänen und einer Schweizerin war nach der Ermordung des Vaters durch die Faschisten 1942 mit seiner Mutter und Geschwistern nach Zürich gekommen. Hier lernte er bei der Ausbildung zum Tänzer Jean Tinguely kennen, mit dem er 1960 zu den Gründern der Nouveau Réalistes gehörte. Die Gruppe um Yves Klein forderte die unmittelbare Anbindung der Kunst an die Alltagsrealität. Spoerri, der sich bis dahin als Tänzer, Regisseur und Verleger einer Zeitschrift für konkrete Dichtung verdient gemacht hatte, schuf im Geburtsjahr der Nouveau Réalistes in Paris seine ersten «Fallenbilder» und damit das Fundament seiner künstlerischen Karriere: Es handelt sich dabei um Assemblagen von Objekten, die in ihrer zufällig vorgefundenen Anordnung auf ihrer Unterlage fixiert und vertikal an die Wand montiert werden. Bekannt sind vor allem die auf diese Weise «eingefrorenen» Tischgelage nach einer Mahlzeit, doch auch andere Gegenstandsauslagen überführte Spoerri von ihrer Alltäglichkeit und Spontaneität in künstlerische Dauerhaftigkeit.
Fundobjekte und Tand vom Flohmarkt spielten auch in anderen Werkreihen des Künstlers stets eine Rolle. Noch direkter aber löst er den Anspruch auf Realitätsnähe mit seinem Konzept der Eat Art ein, mit dem er gleichzeitig die Kunstwelt kommentiert: Schon 1963 hatte er anlässlich einer Ausstellung in der Galerie J in Paris ein Bankett veranstaltet, für das er selbst kochte, Kunstkritiker als Kellner einsetzte und die Banketttafeln am Ende zu «Fallenbildern» machte. Diners dieser Art, oft unter speziellem Motto, realisiert Spoerri bis heute. Von 1968 bis 1972 führte er zudem das «Restaurant Spoerri» in Düsseldorf, wo auf Wunsch ein «Fallenbild» den kulinarischen Abend verewigte. 1970 eröffnete Spoerri über dem Lokal die Eat Art Galerie, wo er Kunst aus Essbarem von Freunden wie Joseph Beuys, Bernhard Luginbühl oder Roy Lichtenstein zeigte.
Kunsthistorisch bedeutend ist zudem die Edition MAT, die der junge Spoerri 1959 ins Leben rief und später mit Karl Gerstner herausgab. Ziel war es, Kunst zu erschwinglichen Preisen anzubieten. So entstanden die ersten Multiples überhaupt. MAT steht für «Multiplication d’art transformable» und weist darauf hin, dass viele der aufgenommenen Objekte kinetisch oder veränderlich sind. Das Sammlungsstück «Multiplicateur d’art» des Haus Konstruktiv stammt ebenfalls aus der Edition MAT. Wie üblich verwendete Spoerri Alltagsgegenstände, die er hier in je doppelter Ausführung spiegelverkehrt arrangiert auf zwei Spiegelplatten montierte, was den Spiegeleffekt doppelt. Die reflektierende Oberfläche lässt die Betrachtenden zudem selbst Teil des Werks werden.

Deborah Keller




Die Umsetzung wurde finanziert mit Beiträgen von:

Lotteriefonds des Kantons Zürich

Baugarten Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Dr. Adolph Streuli-Stiftung
Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg



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20.10.2018
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