Romy Weber

Die ausgebildete Grafikdesignerin Romy Weber (1936, Regensburg, DE) schafft Assemblagen, Collagen und Objekte. Sie löst Fund- oder Alltagsgegenstände aus ihrer ursprünglichen Funktion, stellt sie in neue, fantasievolle Zusammenhänge und versieht sie meist mit einem witzigen Titel. Dadurch erhalten sie bald eine poetische, bald eine ironische Note. Sie sammelt alle möglichen Dinge, etwa verrottete und verwitterte Gegenstände, Steine, Holz oder abgenutzte und untauglich gewordene Materialien. Diese Dinge werden dergestalt auf einen intensiv-farbigen Bildgrund montiert, dass fantastische, teils humorvolle, teils surreale Figuren- und Schattenspiele entstehen. Zum Beispiel hat die Künstlerin eine Serie von Collagen auf handgeschöpftem Papier gefertigt oder einen kleinen, angeknabberten Weintraubenstängel vor südlicher Sonne in einen Feigenbaum transformiert. Die Präsentation einer Hacke auf einem Stück Holz erinnert an den Körper einer Muttergottheit. Die Sensibilität für die strukturellen Eigenschaften verschiedenster Materialien leitet die Künstlerin auch bei einer Serie von Monotypien.
Das Spiel mit Material wird ebenso in ihren Malereien spürbar; zumal Romy Weber sowohl auf Holz als auch auf Leinwand malt. Zum Beispiel gestaltet sie auf mehr oder weniger bearbeitetem, blau grundiertem Holz quadratische Formen, die einen irisierenden, silbrig glänzenden Kern haben.
Ihre grossformatigen Ölgemälde weisen mehrere Farbschichten auf, wobei die Struktur des Werkstoffs als gestalterisches Element genutzt wird. Indem Romy Weber die Farbe – das für sie wichtigste Gestaltungsmittel – mit dem Spachtel in mehreren Schichten aufträgt, erzielt sie lebendige Strukturen und höchst differenzierte Farbwirkungen. Von der obersten Schicht pflegt sie wieder etwas wegzuschaben, sodass die darunter liegende Farbschicht durchscheint.

Romy Weber bildet zusammen mit Ruth Pfalzberger seit über 40 Jahren ein Team. Beide Künstlerinnen haben die gleiche künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Basel durchlaufen und waren lange teilzeitig als Grafikerinnen tätig: Romy Weber an der Badischen Malerfachschule Lahr als Fachlehrerin im Bereich Schriftgrafik und Gestaltung, Ruth Pfalzberger am Institut für Physikalische Chemie der Universität Basel. Beide Künstlerinnen überzeugen durch ein ausgesprochen feines Gespür für Material, Form und Farbe, durch handwerkliche Präzision und Sinn für Inspirationen aus der Natur. So sind über die Jahre hinweg eigenständige Kunstwerke entstanden, die oft miteinander kommunizieren, aber auch im stillen Monolog bestehen können. Ihre erste gemeinsame Ausstellung fand 1972 im Schloss Thunstetten statt. Seither gab es – nebst zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in der Schweiz und im Ausland – in regelmässigen Abständen gemeinsame Präsentationen.

Dominique von Burg
Werke von Romy Weber